You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Road Trip Adventure in South Africa | Belka Berlin1

Road Trip Adventure in South Africa | Belka Berlin1

Auf Reisen sind wir Dauersuchende. Um genau zu sein, bin nur ich auf der Suche. Andrej ist dabei, damit ich mich beim Suchen nicht verliere. Damit ich ein Stückchen Zuhause bei mir habe, während die Ferne mein Leben wieder einmal etwas zu sehr vereinnahmt. Und damit ich zur Abwechslung einfach nur eine Reisende sein kann. Nicht Planende. Nicht Kontrollierende. Nicht Organisierende. Sondern einfach nur eine Reisende. Mit Träumen im Gepäck und der nächsten Idee, wie unser Abenteuer noch mehr denen von Osa Johnson und Ernest Hemingway ähneln könnte. Andrej behält das Ziel im Auge und bringt mich dorthin.

Er ist mein Kompass, während ich suche. Und mein Felsen, während ich schwanke. Das ist er immer.

Wir steigen in Kapstadt aus und tauschen unsere Kabine im Zug gegen einen Van von Asco Car Hire ein. Abendkleid und polierte Lackschuhe gegen Strohhut und Chucks. Und die beruhigende Wirkung des Champagners gegen Ungewissheit und einen gewissen Respekt vor der Fremde. Vor der bevorstehenden Reise, für die wir nur sehr vage Pläne haben. 

Kapstadt ist anders als die Region um Gauteng, aus der wir gekommen sind. Die Häuser sind bunter. Die Sonne scheint heller. Das Meer und der Himmel streiten um das tiefste und klarste Blau, und verwischen in ihrem Kampf die Linie am Horizont. Ein Paradies für Fotografen, das auch mich nicht kalt lässt.. mit meiner Traumkamera, die ich nun endlich auf eine Reise mitnehmen kann, entsteht eine Bilderflut ohnegleichen. 

Man wird von der kalifornischen Atmosphäre von Muizenberg und Kommetjie fast verschlungen. Und wähnt sich so manches Mal in Santa Barbara und nicht in Kalk Bay. Pinguine bevölkern ganze Strände. Strauße grasen in Freiheit am Kap der Guten Hoffnung. Und das Campen im Dachtzelt unseres Wagens, in der Nähe des Tafelbergmassivs verleiht dem Anfang unseres Roadtrips eine feierliche Note.

Kapstadt ist atemberaubend schön. Es ist einfach, die Begeisterungswellen nachzuvollziehen, welche die bloße Existenz dieser Stadt auslöst. Aber es ist eine abgeschirmte, kultivierte Schönheit. Eine, die fast weh tut, wenn man das heruntergekommene Zentrum von Pretoria und die bedrückende Enge von Johannesburg erlebt hat.

Ich empfinde Kapstadt als hermetisch. Wie eine Insel, auf der man kurz vom wirklichem Afrika Urlaub macht. Wenn man es denn möchte.

Aber ich möchte weiter. Ich will suchen. Will an den Ort, von dem ich nur ahne, dass es ihn gibt. Ohne seinen Namen oder Koordinaten zu kennen. Nur mit dem Gefühl seiner Gegenwart - irgendwo da draußen. 

Also brechen wir auf. Lassen die Kap-Region hinter uns. Fahren die Garden Route runter und dem Abenteuer entgegen. Noch erinnern die Weingüter und die Käse-Farmen rund um Hermanus zu sehr an den Westen. Aber die Sonne schwindet, als wir uns Kap Agulhas - dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents - und später Swellendam nähern. Ihren Platz nimmt die unendliche Weite des Westkaps ein.

Warm leuchtende Getreidefelder entfalten sich bis zum Horizont. Dichte, rauchige Woken säumen die Gipfel der Bergketten und sinken bis tief ins Tal. Im Bontebok National Park spüre ich die erste frische Brise in der Nacht. Unser Zelt, unser Zuhause steht am Flussufer. Die Laute exotischer Vögel und wilder Tiere sind das Einzige, was beim Sonnenuntergang zu hören ist. Wir schlafen tief und fest unter dem südafrikanischen Sternenhimmel. 

Mit Oudtshoorn und Knysna lassen wir die letzten Bastionen der Garden Route hinter uns. In der Nähe des Addo Elephant Park parken wir unser Zuhause auf Rädern auf einem einsamen Bauernhof in der Wildnis und übernachten dort. Die Nacht ist kurz und unruhig. Wir sind die einzigen Gäste auf dem riesigen Areal. Es ist Nebensaison. Hunde bellen die ganze Nacht. Kurz vor fünf, verlassen wir unsere Schlafstätte, um bei Sonnenaufgang den Elefantenpark zu erreichen. 

Als die ersten Sonnenstrahlen die Savanne in ein golden-rotes Meer aus Sträuchern und Gräsern verwandeln, sehen wir vom Safari-Jeep aus zwei Hörner im Busch. Ein Kudu, träge und schläfrig, schaut uns an und geht sogleich seinen üblichen morgendlichen Ritualen nach. Ihm folgen der Schwarzrücken-Schakal und Wildschweine, Zebras, Impalas und Hasen. Bis mittags sind wir unterwegs. Doch von Elefanten fehlt jede Spur.

Nur ein riesiger, vom Regen, Hitze und Staub glatt polierter Schädel liegt auf einer Wiese, um den herum friedliche Antilopen ihre Runden drehen.

Die Safari-Fahrt mit dem Guide ist zu Ende. Und wir beschließen, den Park noch ein Mal mit unserem eigenen Wagen abzufahren. An einer Kreuzung winkt uns der entgegenkommende Jeep-Fahrer nach rechts. Wir begreifen sofort und biegen ab. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig meine Kamera in Stellung zu bringen. Zuerst sehen wir nur das allgegenwärtige Grün, in dem braune Hügel auftauchen. Braune Hügel, die Elefantenrücken sind. Und dann ganz plötzlich hinter der nächsten Kurve sind sie da. Eine Herde Elefanten. Direkt vor unserem Wagen.

Sie überqueren die Straße auf dem Weg zur Wasserstelle. Kleine, große, dicke und untersetzte. Ihre Ohren streifen beinahe die Seitenspiegel, ihre Haut ist so nah, dass man jede Falte erkennen kann. Als sie sich zu Dutzenden an der Wasserstelle versammeln, komme ich nicht umhin, mich klein zu fühlen.

 Ich spüre, dass wir nur Gäste auf dieser Erde sind. Denn alles, was uns umgibt, gehört eigentlich ihr, der Wildnis. 

Als Addo bereits hinter uns liegt, bin ich kurz unschlüssig, ob es nicht der Ort war, nach dem ich gesucht habe. Die Wildnis hallt noch lange nach. Bevor es am nächsten Morgen in die Mangrovenwälder nach St. Lucia geht - wo es Nilpferde und Krokodile gibt -, wollen wir irgendwo an der Küste übernachten.

Mitten im Niemandsland, tausend Kilometer von Kapstadt und zwei Tagesreisen vom Kruger National Park entfernt, parken wir unseren Wagen an der Mündung eines Flusses. Ich schaue mir von oben die Bucht an. Das Wasser im Fluss schimmert türkis. Jenes im Meer ist blau. Dort, wo sich das Meer und der Fluss an der Mündung vereinen, entsteht ein Farbton, für den es keinen Namen gibt. Er ist mehr Gefühl als Farbe. Er fühlt sich nach Zuhause an.

Am Ufer unter den Palmen schlagen wir unser Zelt auf. Vor uns erstreckt sich die Wild Coast. Menschenleer. Zerzaust. Und echt. Wild eben. Ich berühre mit Fingerspitzen den nassen, goldenen Sand. Spüre Äste und feines Gestein unter meinen Füßen. Und verliebe mich augenblicklich, tief und kopflos. Betrunken von der kalten Meeresluft. Blind von weißen Nebelschwaden. Wie immer ein wenig zu euphorisch. Und wie immer mit Tränen in den Augen.

Unser Zelt bleibt einen Tag länger am Ufer stehen. Denn das hier ist der Ort, nach dem ich gesucht habe. 

In Zusammenarbeit mit Asco Car Hire und Lensavenue

Mehr Informationen zu Südafrika: www.dein-suedafrika.de


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Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

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Annapurna Circuit, Himalaya / Serena Hatfield

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Mallorca, Spain / by Stefan Lederer

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