You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Reise auf die Azoren | Sascha Hilgers

Reise auf die Azoren | Sascha Hilgers

Am ersten Tag der Reise stehen wir an der Straße, die schweren Rucksäcke auf den Schultern, blicken in die Ferne. Wir spüren die Freiheit, die uns die nächsten elf Tage erwartet und wissen schon jetzt, dass wir in diesem Moment nirgends sonst sein wollen. Dass wir diesen Trip machen, verdanken wir wundervoller Inspiration und dem Umstand, dass mir für eine alleinige Reise nach Sri Lanka dann doch der Mut fehlte. Flug storniert, zwei neue Flüge von Berlin über Lissabon nach Lajes gebucht.

Also stehen wir nun am besagten Flughafen von Lajes auf der Insel Terceira, einem der beiden internationalen Airports. An dieser Stelle sei gesagt, dass dieser Trip vier Inseln beinhaltet, eine schöner als die andere. Jede für sich ein eigenes Paradies. Wir recken also die Daumen in die Luft, hoffen darauf, nicht allzu befremdlich auszusehen mit all unserem Gepäck, der deutschen Blässe im Gesicht und der Ahnungslosigkeit, welche uns auf die Stirn geschrieben wurde, während wir von Lissabon nach Lajes flogen.

Glücklicherweise kann man sagen, dass die Gastfreundschaft keine Grenzen zu kennen scheint. Deutsche Gleichgültigkeit findet man hier nirgends. Und so dauert es keine zehn Minuten, bis wir die Türen schließen und auf bestem Englisch empfangen werden. Der Fahrer unserer kleinen Reisegruppe scheint sich zu freuen über den unbekannten Besuch und nimmt sich vor, seine Heimatinsel auf beste Art und Weise zu präsentieren, zeigt wundervollste Orte, gibt Tipps und verrät womöglich mehr als der Reiseführer, den wir in der Tasche haben.

Wir stoppen in Angra do Heroisma, unserem Aufenthaltsort für die nächsten zwei Nächte. Tatsächlich werden wir direkt bis zur Unterkunft gefahren, freundlichst verabschiedet und stehen vor einer blauen Tür. Man fühlt sich wie im Film, wenn man die Straße hinab schaut, die im Meer zu enden scheint. Links und rechts Palmen, den salzigen Geruch der See in der Nase. Casadangra! Eine Unterkunft, die besser nicht sein kann. Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Sympathie beschreiben diesen Ort am ehesten. Es ist kaum zu ertragen, wie nett die Menschen hier sind und sich größte Mühe geben, ihr wundervolles zu Hause noch schöner zu reden. Nicht, dass es das bräuchte. Aber warum nicht einmal im Jahr in Watte packen lassen und sich einfach der Schönheit hingeben? Dieser Ort ist unser heißester Tipp für Terceira. Besser kann man sich selbst nicht betten.

Angra do Heroismo ist eine kleine Hafenstadt, mit winzigem Marktplatz und einem Naturreservat auf einem Berg, welchen man mühelos besteigen kann, um die Stadt von oben zu sehen. Tatsächlich ist diese Einfachheit an dieser Stelle genau das Richtige, bevor es uns weiter treibt nach Sao Jorge, den Urwald der nördlichen Inselgruppe.

Im Propellerflugzeug ziehen wir weiter, ein sehnsüchtiger Blick zurück, erwartungsvolle Blicke nach vorn. Sao Jorge erwartet uns bereits mit stürmischem Regen und fast schon Eiseskälte. Dass wir wieder trampen und darüber erstaunt sind, erwähnen wir nur kurz. Unser Ziel ist Velas, eine kleine Hafenstadt, die wir wählen, da es von dort mit dem Schiff weitergehen wird. Wir essen zwei Tage in einer kleinen Hafenkaschemme, Fischteller, nach einem alten Familienrezept zu bereitet. Bereits am zweiten Abend werden wir begrüßt, als hätten wir nie an einem anderen Ort gegessen. Wir sind fremd. Und das ist jedem bewusst. Spüren lässt man uns es jedoch nicht.

Wir haben uns vorgenommen, die Insel zu Fuß zu erkunden. Es gibt lediglich zwei Straßen – eine im Norden, die andere im Süden der Küste. Lediglich eine kleine „Busfahrt“in einem kleinen 8-Sitzer-Bus bringt uns für kurze Zeit voran. Die Insel scheint ausgestorben. Es ist wahnsinnig still. Fast schon unheimlich an einigen Stellen. Lediglich Rodrigo, Straßenköter und treuer Begleiter für einige Stunden deutet an, dass es hier Leben gibt fernab der kleinen Hafenstädte. Unser Tipp für Sao Jorge? Keiner. Einfach laufen, die Augen offen halten und beeindrucken lassen. Hin und wieder ein paar Feigen oder Bananen vom Baum pflücken. Natur pur. Feinster Genuss!

Es geht weiter nach Pico, dem Hauptziel, 6 Tage in einem Steinhaus an den schwarzen und felsigen Klippen, die diese Insel umziehen. Pico ist rau, im Zentrum ein Vulkan und der höchste Berg Portugals, die Insel dauerhaft von Nebel überzogen. Wir wollen wandern, Wale sehen und den Pico besteigen. Fast alles davon klappt, nur der 8-stündige Auf- und Abstieg soll uns nicht gelingen.

Wir holen Luft auf Pico. Genießen die Ruhe und verlangen nichts an diesem Ort. Im Gegenzug wird uns alles gegeben, was man von so einer Reise verlangen kann. Atemberaubende Landschaften, Kindheitsträume werden wahr, es ist wohl einer der schönsten Orte, den wir je sehen werden. Das Ende der Welt, der Anfang aller Träume. Persönlicher Geschmack, u know.

Last stop? Faial. Ziel aller Pazifüberquerer. Horta ist Knotenpunkt der transatlantischen Segelstrecke und erster Anlaufpunkt in Europa. Hier herrscht eine ganz besondere Stimmung. Alles schreit nach Aufbruch, nach Abenteuer. Ein Zwischenstopp für Reisende, die großes Vorhaben, die Welt sehen und erleben wollen. Man bleibt hier nicht, man zieht weiter. Die eigenen Ziele im Blick, tankt Kraft und bricht auf. Wohin auch immer!


 
 

SASCHA HILGERS

Berlin, Deutschland

Sascha ist Weltenbummler, Fotograf und isst am liebsten Eintöpfe. Er mag die kalten Jahreszeiten und würde gern nach Island auswandern. Er träumt von stürmischen Tagen, salziger Luft und ist fasziniert von rauen Klippen.

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