You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Bosnien | Lorenz Oberdoerster

Bosnien | Lorenz Oberdoerster

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Unberührte Natur gepaart mit kultureller Tiefe und Vielfalt. Ein Meltingpot zwischen Orient und Abendland, zwischen Ost und West, eingebettet in eine Landschaft sanft grüner Hügel, ausgedehnter Wälder, glasklarer Flüsse und wunderbarer Bergpanoramen. Nicht weiter weg als die Toskana, aber doch so anders als der Rest von Europa ist Bosnien (oder eigentlich Bosnien und Herzegowina) noch immer eine Art Geheimtipp – für alle, die abseits der großen Touristenströme gewillt sind, sich ein Land selbst erschließen zu wollen. 

Es ist Sommer, der Bus ist voll. Drei Kinder, zwei Erwachsene und was man halt so braucht für eine fünfköpfige Familie. Für uns ging es mal wieder Richtung Balkan, Bosnien als Ziel. Wir befinden uns knapp hinter Zagreb. Gefühlt genauso viele Touristen wie Einheimische auf der Straße, biegen wir links ab und überlassen die vollen kroatischen Campingplätze den Anderen.

Bereits kurz hinter der Grenze merkt man, es wird anders. Minarette sieht man sonst in Europa nicht in dieser Fülle, zudem noch genau neben Synagogen und orthodoxen Kirchen. Auch hört man keinen Muezzin rufen, in Bosnien dafür nahezu landesweit. Hier ist das normal, ein Land in dem das Zusammenleben der Kulturen und Religionen funktioniert, auch lange funktionierte, bis es irgendwann knallte, leider. All gave some, some gave all – so steht es auf den Wänden geschrieben. Geschenkt hat sich niemand etwas, die Spuren sind allgegenwärtig und die Gräben tief, Wunden heilen nur langsam. Aber man arrangiert sich. So scheint es. 

Bei genauerem Hinsehen kann man die serbisch geprägte Republik Srpska von der Föderation Bosnien und Herzegowina, geprägt durch die muslimischen Bosnier und katholischen Kroaten, durchaus unterscheiden. Auch bekommt man eine Ahnung von der jüngeren Vergangenheit, wenn man auf den Friedhöfen Eltern die Gräber ihrer Kinder pflegen sieht. Die Kriegsschäden sind immer noch sichtbar. Ausgedehnte Minenfelder vergegenwärtigen einem immer wieder, was hier vor Rund 25 Jahren geschah. Deren Freigabe wir noch Jahre dauern und dem Land weiterhin einer seiner wichtigsten Ressourcen, die Natur, rauben. 

Will man nichtsdestotrotz die natürliche Schönheit Bosniens entdecken – und ja, das ist auch trotz Mienen machbar – ist es ratsam, sich im Vorfeld die ein oder andere Information einzuholen. Unberührte Natur heißt in Bosnien auch unerschlossene Natur. Reiseführer, deutschsprachige zudem, sind nicht zahlreich und nur für die grobe Reiseplanung verwendbar. Touristeninfomationen vor Ort sind nicht dicht gesät. Will man Nationalparks wie Sutjeska oder Kozara auf eigene Faust erkunden, sollte und muss man für spezifische Informationen auf Reiseberichte zurückgreifen. Ansonsten bleibt einem oftmals nur die Möglichkeit bei Agenturen die Angebote für Kajak-, Rafting sowie Wander- oder Montainbiketouren zu buchen. 

Es gibt einfachere Länder in Europa für den Sommerurlaub, vor allem mit Kindern. Die Frage ist, ob man das braucht und möchte. Bosnien bereisen heißt, in einem der zahlreichen Kaffees die nächsten Etappen seiner Reise zu planen, an jeder zweiten Ecke osmanische Baukunst zu entdecken und im quirligen Sarajevo das Aufeinandertreffen von Tradition und Aufbruch zu spüren. Bosnien bereisen heißt, in aller Abgeschiedenheit das mulmige Gefühl zu bekommen, als erster Tourist den Abzweig falsch genommen zu haben und zu hoffen, heil auf der anderen Seite der Brücke anzukommen. Belohnt wird man am Ende des Tages mit einem Sternenhimmel, wie ihn unsere Großeltern noch zu sehen bekamen. Bosnien bereisen heißt, auf freundliche Menschen zu stoßen, die einen, zum Teil verwundert, aber auch immer stolz – und dazu häufig in gutem Deutsch – ausfragen, wie es einem in ihrem Land gefällt.

Bosnien bereisen heißt, den Rest des Tages sausen zu lassen, weil es beim Befragen nicht bleibt, die Kinder an den nächsten Bach zum Angeln mitgenommen werden und die Frau des Hauses schon den Grill anfeuert und frisches Gemüse aus dem eigenen Garten holt. Das vegetarische Gewissen kann man in diesem Land getrost zu Hause zu lassen. Neben fangfrischem Fisch und selbst angebautem Gemüse landet auch viel fettiges Fleisch und Würstchen auf dem Grill. Und sowieso duften in Bosnien an jeder Ecke die Cevapi all zu verführerisch. Mit solch ordentlichen Grundlage gelingt es, die oftmals größer werdenden und stets vollen Gläser Rakja am Abend sportlich zu nehmen.

Bosnien bereisen heißt, täglich in glasklaren Flüssen und Bächen unterzutauchen. Zuweilen sind dies zwar arschkalt, aber dafür perfekt den Katerkopf wieder klar zu bekommen. Bosnien bereisen heißt, ein Land zu bereisen, in dem für jeden etwas dabei ist. Kultur, Geschichte, Großstädte, Abgeschiedenheit, Natur. Und überall Wasser, was das duschen fast überflüssig macht. Und wer in seinem Urlaub auf Salzwasser nicht verzichten kann – nach einem kurzen Abstecher an die kroatische Küste freut man sich in Bosnien, den Campingplatz wieder nahezu für sich allein zu haben. 

Reiseroute:

Bihac und Bosankska Krupa - Kozara Nationalpark – Jajce – Travnik - Jablanicko Jezero – Konjic - Bozanska Jezero – Foca – Visegrad – Sarajevo - Lukomir – Mostar – Blagaj - Kravice Falls - 2 nächte Adria an der Makarska Riviera in Kroatien - Una Nationalpark


 
 

LORENZ OBERDOERSTER

Kiel, Deutschland

Als Hochzeitsfotograf arbeitet und lebt Lorenz mit seiner Familie in Kiel. Als Kind schon immer mit Kameras konfrontiert gewesen, waren es vor allem Reisen, die seine Leidenschaft zur Fotografie geweckt haben. Unterwegs zu sein, ist fester Bestandteil seines Lebens. Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern wird abseits des Alltags immer wieder aufs neue die Welt erkundet. Die Kamera ist dabei sein ständiger Begleiter. 

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