You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Florida, USA / Cordula Schäfer

Florida, USA / Cordula Schäfer

Florida – der Staat der ewigen Sonne. Paradies für Rentner und Spring Break Partys, Epizentrum des Körperkult, erste Reihe für Sonnenanbeter und Sammelbecken für pastell- bis grell-florale Wohlfühlmode. So ganz leicht hat es der südlichste US-Bundesstaat irgendwie nicht, wenn es um vorurteilsfreies Reisen geht. Zu tief sitzen die Bilder, die Reisekataloge und TV-Serien vor unserem inneren Auge zementiert haben. 

Mein Eindruck von Florida war bisher eine ähnlich wilde Mischung – vielleicht etwas weniger Strandurlaub, dafür mehr Kanutouren und Barbeques, zusammengehalten von endlosen Autofahrten über ausgeblichenen Asphalt. Trotzdem – oder gerade deswegen – hielt sich seit Jahren hartnäckig eine Idee im oberen Drittel meiner Reise-Wunschliste: Ein Roadtrip durch den gesamten Staat, begonnen in der westlichen Spitze bis zum südlichsten Punkt der USA, Key West. 

Im letzten Dezember war es dann endlich so weit. Es war kühl und windig, als meine Schwester und ich spät abends in New Orleans im Bundesstaat Louisiana eintrafen; wir würden uns einige Tage hier aufhalten bevor wir gen Osten aufbrechen. Bis zum Ziel lag eine reine Entfernung von mehr als 1.400 Kilometern vor uns – Umwege nicht mitgerechnet. Da wir aber weitab des Sommers unterwegs waren, freuten wir uns auf die ruhigen Wochen vor uns. Der Weg sollte das Ziel sein, und auch ein bisschen die Erweiterung unseres floridianischen Horizonts.

Die Staatengrenze nach Florida überquerten wir im Dunkeln. Es war wenig spektakulär, trotzdem konnte unsere Stimmung nicht besser sein. Wenige Wochen vor Jahresende wurde es mit jedem Kilometer milder und von unserem Motel in Pensacola Beach schauten wir über einen kleinen Sandstrand in die ruhige Bucht. Der Ort war beinahe ausgestorben, außer uns hatten nur wenige andere Gäste den Weg hierher gefunden. Wobei die Touristen im Grunde schon Recht haben, wenn sie im Sommer scharenweise über den Sunshine State herfallen: Florida hat die schönsten Strände, die wir bisher gesehen hatten. Gerade der Sand an der Golfküste ist tatsächlich weiß und fühlt sich beinahe wie Schnee an, wenn man seine Füße darin vergräbt - ohne die Kälte natürlich. Bester Zwischenstopp hier: Key Perdido.

Unsere weitere Route brachte uns ins Landesinnere. Sobald wir von den Küstenstraßen abbogen, wurden die entgegenkommenden Autos schnell weniger. Nachdem wir zuvor häufig gestoppt hatten, um einfach nur am Strand zu sitzen, fuhren wir nun teilweise stundenlang geradeaus. Zedernwälder wechselten sich ab mit hohen Tannen, dazwischen gab es immer wieder von den Wirbelstürmen verwüstete Schneisen. 

Wer schon einmal mit dem Auto durch die USA gerollt ist, kennt die langen und einsamen Strecken, die man in dünn besiedelten Gebieten zurücklegt. Und so wurde auch die Tour zum nächsten Wegpunkt eine Fahrt für belustigtes Vorlesen der übergroßen Billboards am Straßenrand und zum Gesangsduell mit dem Autoradio. Allerdings bildeten die Weihnachtslieder unter Palmen und in Kunstschnee versinkenden Santa Clauses eine nicht restlos überzeugende Kombination – die strahlende Sonne und die frühlingshaften Temperaturen schon eher.

In Miami hatte ich mich eigentlich besonders auf die Architektur gefreut. Umso mehr dämpfte es die Stimmung, dass viele Gebäude abseits der Touristenpfade entweder umbaut waren oder schon bessere Zeiten erlebt hatten. Dennoch: Einmal den Ocean Drive herunterspazieren gehört einfach dazu. 

Auf dem letzten Stück der Route legten wir zwar ein gutes Stück durch Sumpfgebiete oder auf einer nur zweispurigen Brücke zurück, trotzdem entschädigen die Eindrücke für den Vortag: Die Straße war leer und der Blick frei auf das Meer, die Boote und die kleinen Inselgruppen, die an uns vorbeirauschten. Und wo sich an den Brückenzufahrten Angler eingefunden hatten, waren meist auch die Pelikane nicht weit. Daneben dominierten Kanus, Surfboards und farbenfrohe Schilderwälder das Bild. Sicher waren dabei die Convenience Stores eigentlich nur eine illustre Sammlung aller nur denkbaren Merchandise-Artikel und sicher rosteten diverse Brücken beidseits des Highways vor sich hin. Aber gesäumt von Palmen und leuchtenden Fassaden ergab dies einfach genau das Bild, das man auch nach einer Tour durch den gesamten Staat irgendwie erwartet und erhofft zu sehen. Und zumindest diesmal minus sonnenhungrige Besucherströme und mit einem großen Plus am gut gelaunten Entdecken einer kleinen Kulissenwelt. So hatten wir nach 18 Tagen und 2.500 Kilometern an Wegen und Umwegen unser Ziel erreicht, dort wo Whitehead und South Street aufeinander treffen: Den Marker des südlichsten Punkts der USA.


 
 

Reisefotografin Cordula Schäfer / Cordugram

Berlin, Deutschland

Die Fotografie gehörte irgendwie immer zu meinem Leben dazu, genau wie ein konstantes Reisefieber. Als ich vom Fernweh angetrieben vom deutschen Norden in den amerikanischen Osten zog, wurde die Kamera schließlich ein ständiger Begleiter und hat sich bis heute diesen Platz erhalten. Der perfekte Glücksmoment unterwegs: Eine neue Stadt, das Meer in der Nähe und Postkarten in der Tasche.

Ihr könnt Cordulas Bilder auf ihrer Website anschauen und ihre Fanpage hier besuchen.

San Francisco, California / Manuela Clemens

San Francisco, California / Manuela Clemens

Kuala Lumpur, Malaysia/ Tami Berger

Kuala Lumpur, Malaysia/ Tami Berger