You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Provence & Französische Mittelmeerküste / Martin Spörl

Provence & Französische Mittelmeerküste / Martin Spörl

Die Monate zwischen März und Oktober sind für einen Hochzeitsfotografen oft mit Terminen so vollgepackt, dass es schier unmöglich erscheint, sich ein wenig Auszeit zu gönnen. Doch gerade dann käme ein wenig Abstand zum Alltag wie gerufen. 

Als mich also meine Freunde fragten, ob ich im Sommer Zeit hätte um mit ihnen nach Frankreich zu fahren - ein wenig Camping in der Bretagne - war meine Vorfreude groß und mein Blick in den Kalender geriet zur Nervenprobe. Ob es nun höhere Macht war oder einfach nur Zufall: In eben diesen wenigen Tagen hatte mein Terminplan eine Lücke. Wow, dachte ich mir, das wird ne schöne Zeit. Ursprünglich sollte der Weg uns über Paris bis zum äussersten westlichen Ende Frankreichs führen. Doch der wiederholte Blick in den Wetterbericht lies uns am Abend vor der Abreise unsere Pläne übern Haufen werfen. Das gebuchte und bereits bezahlte Hotel in Paris war überflüssig geworden und meinen bereits mit warmen Klamotten gepackten Koffer konnte ich auch wieder neu überdenken. Denn der Plan war: Wir wollen ins warme, weg von der trüben Suppe in Deutschland, ab in den Süden. 

Und so befanden wir uns am nächsten Vormittag auch schon im Auto - auf der Autobahn Richtung Narbonne. Kaum über die deutsch-französische Grenze, kam in mir schnell das Erholungs-Urlaubs-Gefühl auf. Irgendwie sieht plötzlich alles anders aus, alles wirkt herrlich-unvertraut. Und mit jedem Kilometer, den wir zurücklegten, verstärkte sich das Gefühl des „raus-seins“. Immer mehr wurde die Landschaft karg, immer mehr stieg die Aussentemperaturanzeige. Und als die Sonne am Horizont bei Montpellier unterging wussten wir: Wir haben es geschafft, der Campingplatz ist nicht mehr weit. Und als wir dort bei Dunkelheit angekommen sind, haben wir nur noch schnell das Auto geparkt und haben uns gleich aufgemacht, an den direkt an den Campingplatz angeschlossenen Strand zu gehen: 

Ach was habe ich es vermisst! Weicher Sand unter den Füßen, dieser herrlich warme Wind, die leicht salzig schmeckende feuchte Luft, die glitzernde nächtliche Stadt auf der einen und das dunkle schwarze Meer auf der anderen Seite. Ich wusste auch, dass ich hier so schnell nicht mehr weggehen werde! Kaputt von der langen Fahrt schlief ich später auch schnell in meinem Zelt ein und freute mich auf das was alles kommen mag. 

Die nächsten Tage waren erstmal mit süßem Nichtstun gefüllt. Am Strand schlafen, bisschen Frisbee spielen, Fotos machen und am Abend das leckere selbst gekochte Essen verputzen. Kann es was schöneres geben? Ich war vollkommen zufrieden mit mir und meinem Leben! Herrlich! 

Doch ausschliesslich Faulenzen stand nicht auf unserem Plan, wir entschieden uns immer wieder mal für einen Tag ein wenig ins Hinterland zu fahren. Da war zum einen Carcassonne, was jeder ja zumindest mit dem Brettspiel in Verbindung bringt. Doch die tolle Festungsanlage und die darin enthaltene Altstadt sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer die Möglichkeit hat, sollte allerdings die Nebensaison wählen…dann ist es dort nicht ganz so belebt. 

Und auch unser „Wohnort“ wechselte mehrmals. Und so fuhren wir Etappenweise an der französischen Südküste entlang, „Campingplatz-Hopping“ sozusagen. Mal hier ne Weile, mal dort paar Tage. Manches Mal hatten wir auch einfach nur Glück: Da war z.B. Sète - eine ganz wunderbare Stadt - und eben an jenem Tag fand dort das sogenannte Schifferstechen statt, eine traditionelle Veranstaltung im Kanal der Stadt, bei dem sich jeweils zwei Teams auf Holzbooten mit Lanzen duellieren und für ihre Stadt kämpfen. Wunderbar anzusehen. 

Dann war da Montpellier…ein wirklicher Traum, vor allem im Sommer bei Sonnenuntergang. Die kleine verwinkelten Sträßchen, die unzähligen Cafés und Bars, die hübschen Kirchen und das gesellige Leben - ja, ich fühlte mich aufgehoben und irgendwie dazugehörend.

Nachdem wir das alles gesehen und erlebt hatten, dachte ich dass es ja nun wirklich nicht mehr besser werden kann. Doch weit gefehlt: Denn am Ende unserer Tour waren in der Provence angekommen!

Die Campingplätze mittlerweile beinahe leer und die Preise dafür entsprechend niedrig, schlugen wir zum letzten Mal unsere Zelte auf. Zwar kein Meer mehr, dafür aber ein Pool an einem sonnenbeleuchteten Hügel. Unser Reiseführer „Lonely Planet“ hatte bis dahin auch immer tolle Tips abseits des Mainstreams parat und so vertrauten wir auch dieses Mal auf ihn: Aix-en-Provence soll gerade Abends ein tolles Stückchen Erde sein. Und er hatte so Recht. Das Leben spielt sich so herrlich auf der Straße ab: Überall Menschen, manche einfach nur flanierend, viele essend auf den Bestuhlungen ausserhalb der Restaurants, hier ein Duft von frischen Gewürzen, dort ein Lachen von einem glücklichen Pärchen…und dabei alles erleuchtet vom diffusen gelblichen Schein der Natriumdampf-Laternen. Eine Stimmung zum verlieben.

Zwei Tage später fuhren wir ein wenig ins Hinterland um mehr von dieser tollen Landschaft und dieser herrlichen Atmosphäre aufzusaugen. Es dauerte nicht lange, da befanden wir uns auf einem kleinen Landsträßchen - verwinkelt und kurvig. Links und rechts ragten immer wieder schroffe Felsformationen auf, die die Straße noch enger und die nächste Kurve uneinsehbar machten. Irgendwann und plötzlich öffnete sich die Straße, ein paar hübsche Weingüter zogen an uns vorbei und wir fanden uns auf einer wunderbaren Zypressen-Allee wieder. Die Landschaft erschien uns wie in alten Liebesfilmen aus den 60er-Jahren und im Radio kam „I’m sorry“ von Brenda Lee - das Romantiker-Herz in mir schien zu platzen. Und als wir das Örtchen Bonnieux erreichten, konnten wir unseren Augen kaum trauen: Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch, ein steingewordener Traum. Kein Wunder, dass unweit davon entfernt auch die Filme „Ein gutes Jahr“ von Ridley Scott und „Swimming Pool“ von Francois Ozon gedreht wurde. So viel Ruhe und Entspanntheit wie dieses Stück Welt ausstrahlte, ist mit einem Wort: Unfassbar!

Doch auch Roussilon mit seiner ockerfarbenen Erde ist nicht zu verachten und vor allem Gordes - ein auf einem steilen Südhang gebauter Ort mit einer ganz-und-gar fantastischen Sicht über die Provence - hat mich nachhaltig beeindruckt. Und so fiel es uns allen schwer - nach diesen Unmengen an positiven Eindrücken, nach so vielen wunderbaren Tagen, nach all dem Schönen, der Wärme und Gelassenheit - wieder die Heimreise anzutreten.

Doch die Lebensart, die Landschaft, die Menschen - all das hat mich noch mehrere Wochen festgehalten: Mein Körper war bereits hier…mein Herz aber habe ich in der Provence gelassen.

Alle Bilder sind mit einer Contax G1 und auf Fuji Superia 400 entstanden.


 
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FOTOGRAF MARTIN SPÖRL

Baden-Württemberg, Deutschland

Hallo, ich bin Martin. Ich mag es, wie man mit einer Kamera kleine Märchenwelten erschaffen kann. Ein bisschen ein Abbild der Realität, aber doch irgendwie auch gleichzeitig eine Flucht aus dieser – in eine kleine idealisierte Welt. Ich mag es, wie man die kleinen unwichtigen Dinge einfangen kann. Ich mag es, wie man mit Bildern Stimmungen erzeugen und transportieren kann – denn es sind die Bilder die Geschichten erzählen, nicht die Worte.

Ihr könnt Martins Fotografie auf seinem Blog verfolgen und seine Fanpage hier besuchen.

Kreta, Griechenland / Jennifer Hejna

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Andalusia, Spain / Johnny Patience

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