You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Hong Kong, China / Jennifer Wettig

Hong Kong, China / Jennifer Wettig

Man bekommt nicht oft die Möglichkeit, für 2 Wochen nach Hong Kong zu fliegen. Und wenn du die Chance bekommst – dann nimm sie gefälligst an! Genau diese Möglichkeit bot sich mir Ende letzten Jahres, und so flog ich mit meinem Freund über Weihnachten und Silvester ans andere Ende der Welt. Dieses Abenteuer hat in mir eine Reiselust geweckt, die mich bisher nicht loslässt. Fernweh trifft es sehr gut - daher freut es mich ungemein, dass ich auf dieser Seite meine Reise teilen darf.

Wenn ich etwas Typisches für Hong Kong erzählen wollte, dann wären es sicher die Straßen. Für mich ist es so ganz anders als in Deutschland… Es ist kaum in Worte zu fassen, aber es ist anders. Viel mehr öffentliche Verkehrsmittel, unglaublich viele Taxis. Der Asphalt ist voll mit Beschriftungen in chinesisch und englisch und fast überall gibt es Fußgängerbrücken. Man läuft von Hochhaus zu Hochhaus und kommt nicht richtig mit den Straßen in Kontakt.

In anderen Ecken sieht man über den Straßen endlos viele Werbeschilder, vor den Restaurants lebt das zukünftige Essen in Aquarien oder hängt gar tot im Schaufenster. Ist der Blick gen Horizont gerichtet, sieht man kaum Himmel. Du musst den Kopf schon in den Nacken legen, um mal wieder Himmelblau zu sehen – falls etwas da ist, denn meist liegt darüber ein Schleier aus Smog. 

So stellt sich jeder Hong Kong vor. Großstadt, Hochhäuser, vollgestopft. Doch man muss sich nur umdrehen, um die anderen Seiten zu sehen: Kultur und viel Natur. Am zweiten Weihnachtsfeiertag haben wir den Nan Lian Garden und den Kowloon Walled City Park besucht.

Der Nan Lian Garten ist auf der Kowloon-Seite von Hong Kong gelegen und wie auch das Chi Lin Kloster, was sich in diesem Garten befindet, im Stil der Tang Dynastie gehalten. Erbaut wurde beides zwar erst im letzten Jahrhundert, aber dadurch ist es nicht weniger schön. Vom Nan Lian Garten aus sind wir weiter gezogen zum Kowloon Walled City Park. Auf diesem Gelände standen bis ca. 1993 noch über 300 Hochhäuser, teilweise ohne Abstände zueinander. Deswegen wurde diese Siedlung “Walled City” genannt. So kam es, dass viele Familien (dort lebten auf wenigen hundert Quadratmetern über 30000 Menschen!) ohne Tageslicht wohnten. Spielplätze waren auf den Dächern, Märkte und Läden in den untersten Stockwerken. In den 80er Jahren entschieden sowohl die chinesische als auch die britische Regierung, dass dieser “Schandfleck” Hong Kongs geräumt und abgerissen werden sollte. 1995 wurde dann der Walled City Park errichtet.

Nicht nur schön anzusehend, sondern auch körperlich fordernd ist der Fußweg hoch zum Victoria Peak. Danach kann man als unsportlicher Mensch, wie ich es einer bin, alle Klamotten in die Wäsche werfen. Dabei war es nicht einmal zu warm an diesem Tag! Natürlich kann man auch die Peak-Tram nehmen, muss dafür nur stundenlang anstehen. Oder den Bus, aber das ist ja langweilig. Auf diese Weise hat man wenigstens das Gefühl, sich die Bilder erarbeitet zu haben! Typisch für Hong Kong ist, dass fast alle Wege in der Natur asphaltiert sind. Manchmal bin ich einfach rückwärts den Berg hoch, weil es weniger anstrengend war.

Belohnt wurde ich mit einem nebligen Ausblick, der mir nur einen Teil der Wolkenkratzer zeigte. Ich wollte unbedingt noch Bilder im Dunkeln machen, doch stand die Sonne noch relativ hoch. In das Shopping-Center wollte ich nicht, also entschieden wir uns für einen 3km langen Wanderweg, der einmal um den Berg herum führt. Wie ihr nun sehen könnt, war dies eine gute Entscheidung, fanden wir doch auf dem Wanderweg ein Plätzchen, von dem aus man ebenfalls die Skyline erblicken konnte. Und das Beste: Hier war man nahezu alleine – nur wenige Fotografen, die davon wussten und einzelne Spaziergänger. Ganz im Gegensatz zur Aussichtsplattform, auf der sich die Fotografen dicht an dicht tummelten. Auf der bezahlten Plattform geht das ja noch, doch die kostenlose Aussichtsplattform ist zu dieser Zeit unangenehm voll. Für mich ist das nichts, lieber zöge ich ohne Bild von dannen.

Es gibt Tage, an denen möchte man einfach nur ein Schwamm sein. Ein Schwamm, der all die Eindrücke aufsaugt, die einem geboten werden. Wenn du dir Speicherkarten für dein Hirn wünschst, weil hinter deiner Stirn in großen, roten Lettern geschrieben steht: Overload. Einer dieser Tage war der 29. Dezember, an welchem wir nach Lantau aufbrachen. Morgens früh aufstehen & gut frühstücken, es steht uns ein langer Tag bevor! Mit der MTR geht es zur Tung Chung Station, welche sehr nahe am neuen Flughafen liegt. Der besagte Flughafen löste 1998 den alten Flughafen Kai Tak ab, welcher als einer der am schwierigsten anzufliegenden Flughäfen der Welt war. Von der Tung Chung Station sind wir dann zur Ngong Ping 360 Seilbahn, die uns zum größten, sitzenden Buddha der Welt bringen soll. Das Witzige an der Sache: Für einen Aufpreis kann man Gondeln benutzen, welche einen Glasboden haben. Höhenangst oder Neugier, was überwiegt? Ach scheiß drauf, man ist nur einmal hier. Los geht’s, mit Glasboden!

Vom Buddha aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Lantau Peak, den höchsten Berg der Insel. Ganz in der Nähe ist das Po Lin Kloster, in dessen Hof man direkt die Räucherstäbchen sehen und riechen kann. Der Weg führte uns weiter zum Pfad der Weisheit. Weise wurden wir leider nicht, aber spazieren gehen tut immer gut. Weiter ging’s in das Fischerdorf Tai O an der westlichen Küste von Lantau. Wieder ein sehr touristisches Fleckchen mit einem großen Fischmarkt. Fisch hier, Fisch da. Oktopus, Kugelfisch, Hai, Seesterne… alles, was das fischliebende Herz begehrt.

Ich habe mich zurückgehalten und einfach nur Fotos gemacht. Eine empfindliche Nase sollte man nicht haben, denn die Gerüche sind doch schon ziemlich penetrant. Doch alles ist einfach nur entspannend, so ein Gegensatz zum engen und hektischen Treiben in Central Hong Kong. Um noch ein wenig die Ruhe zu genießen, sind wir auch in die hinteren Ecken des Dorfes gegangen, in die sich eher wenige Touristen verirren. Das Treiben des Fischmarkts haben wir hinter uns gelassen um einfach nur zu spazieren und zu erzählen. Wenn man sieht, wie die Menschen hier leben, so kommen einem die Probleme daheim so klein und unwichtig vor. Luxusproblemchen eben.

Du kannst noch so viel darüber lesen und Bilder anschauen, doch wirklich dort zu sein ist wieder etwas ganz anderes. Die Bilder nun mit ein wenig Abstand zu betrachten, bringt alle Gefühle und Erinnerungen hervor.

Normalerweise ist man es von Großstädten gewohnt, dass man in den Zug oder das Auto steigt und dann erst einmal eine Weile unterwegs ist, um Natur zu sehen. Nicht in Hong Kong. Wir sind am zweiten Januar in die MTR an der Haltestelle Tiu Keng Leng eingestiegen, um nur eine Haltestelle weiter – Yau Tong – wieder auszusteigen. Unser Ziel: Nach Hause laufen. Sollte keine große Kunst sein, sind ja nur knapp über 3km. Aber ich würde dies hier nicht schreiben, wenn es so einfach gewesen wäre. Will man nicht den einfachen Weg gehen, kann man auf den Devil’s Peak steigen und die Aussicht genießen – natürlich taten wir dies.

Wie auch schon beim Victoria Peak fragte ich mich zwischendurch, warum ich nicht aus meinen Entscheidungen lerne – schon wieder ein Berg? Doch die Aussicht entschädigte für alles. Oben angekommen fanden wir die Ruinen eines alten Forts, welches während dem zweiten Weltkrieg eine strategisch wichtige Rolle für die Briten spielte. Doch auch Piraten fanden diese Stellung toll, kann man von hier aus doch die Meerenge zwischen dem Hafengebiet und dem chinesischen Meer bestens beobachten. Also setzten wir uns auf eine Mauer der Ruine und schauten aufs Meer hinaus. So weit hinaus, dass man kein Land mehr sehen kann. Unter uns die pure Natur; eine schmale Straße, die sich durch die Küstenlandschaft schlängelt. Von Großstadtlärm keine Spur. Eine angenehme Brise zerzaust das Haar und man könnte fast einnicken, so schön ist es.

Für mich steht fest: Hier muss ich wieder hin, in Hong Kong war ich nicht zum letzten Mal.


 
 

FOTOGRAFIN JENNIFER WETTIG

Rheinland-Pfalz, Deutschland

Hallo! Mein Name ist Jennifer, doch die meisten nennen mich Jenny. Mein Beruf ist die Physik und die Fotografie meine Leidenschaft. Mich zieht es hinaus in die Natur und am liebsten weit in die Welt hinein. Meine bisherigen Reisen sollen nur der Anfang eines ganz persönlichen Abenteuers sein.

Ihr könnt Jennifers Fotografie auf ihrem Blog verfolgen und ihre Fanpage hier besuchen.

Mallorca, Spain / Sevi Koch

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Basque Country, Spain / Kerry Murray

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