You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Iran | Chris Eberhardt

Iran | Chris Eberhardt

Iran - wie kommt man denn darauf? Diese Frage wurde mir im Vorfeld der Reise oft gestellt. Noch häufiger wurde ich gefragt: Ist es da denn sicher? Da zeigt sich, meiner Meinung nach, der starke Einfluss der westlichen Medien. Der Iran hat ein schlechtes Image und das haben die Menschen dort definitiv nicht verdient. Natürlich sind die Grenzregionen davon ausgenommen. Sieht man sich an, woran der Iran grenzt, ist es aber auch selbsterklärend, dass man diese Regionen eher meiden sollte. 

Doch zurück zum "Warum". Vor Jahren hab ich den Roman "Der Medicus" gelesen und von dem Zeitpunkt an stand der Iran auf meiner Reiseliste. Nun, seit es einen neuen Präsidenten gibt, ist die Situation im Land etwas entspannter für Reisende und auch für die Einheimischen geworden. Die Menschen im Iran habe ich als offen und sehr gastfreundlich kennengelernt. Und zwar ehrlich freundlich, nicht „Oh da ist der Tourist mit Geld in der Tasche“ - freundlich.

Die insgesamt zwölftägige Reise wurde von Yomadic geplant, zwei Weltreisenden, die Iran und Ukraine Touren anbieten. Zusammen mit elf anderen Teilnehmern ging es mit dem besten Busfahrer und iranischen Guide im eigenen Kleinbus in Teheran los.

Teheran ist, wie fast jede Großstadt, laut, geschäftig und unübersichtlich. Als Basarfan hat mir natürlich der große Basar in der Stadt gefallen. Dessen Wege und Korridore belaufen sich auf insgesamt rund zehn km Strecke. Immer wieder hörten wir Rufe wie "Willkommen im Iran" und "Schön, dass Ihr hier seid". Man bekam Essen angeboten und fast jeder wollte sich von uns fotografieren lassen. Auf keinen Fall verpassen sollte man die Stände mit frischgepressten Säften unterschiedlichster Art - wahnsinnig lecker.

Nach leider nur einem vollen Tag in Teheran ging es weiter Richtung Kashan. Auf dem Weg machten wir einen kurzen Zwischenstopp in Ghom um eine sehr heiligen Stätte und den wichtigsten Wallfahrtsort der Schiiten zu besuchen: den Schrein der Fatima Masuma. Besonders hier merkte man, welche hohe Bedeutung die Religion im Iran hat. Ca. 60% der Einwohner sind in irgendeiner Weise beruflich damit verbunden. Als Reisegruppe standen wir automatisch im Mittelpunkt, was ich allerdings als sehr Positiv empfand.

In Kashan konnten wir auf den Dächern des lokalen Basar herumlaufen und den Sonnenuntergang zusammen mit den Wolken des nachmittäglichen Sandsturms genießen. Das hatte etwas Star Wars mäßiges.

Am nächsten Tag ging es nach Isfahan. Die Stadt, und vor allem deren Königsmoschee Masdsched-e Emām, wollte ich schon immer sehen. Die Kuppel der Moschee ist klangtechnisch so gebaut, dass man im Mittelpunkt stehend überall gehört wird. Eindrucksvoll wurde uns das von unserem Guide mit einem Gebetsruf demonstriert - Gänsehaut pur. Ebenfalls sehr faszinierend waren die unzähligen, kleinen, farbigen Fliessen, welche in ausgefallenen Mustern verbaut sind. Ein weiteres Highlight Isfahans sind die Brücken. Leider hatte der Fluss wie so oft kaum Wasser doch wenn man Glück hat, kann man Männer unter den Brücken singen hören. 

Als nächstes stand Yazd auf dem Plan, eine der ältesten Städte Irans. Die Wasserversorgung der Stadt basiert auf den schon in der Antike angelegten Kanälen, den sogenannten Qanats. Ebenso beeindruckend sind die kleinen Strassen und Gassen der Lehmziegelstadt, die als Weltkulturerbe gilt. Auf dem Weg zu unserer letzten Station, Shiraz, übernachtetet wir in der Karanvanserai Zeinodin unter dem Sternenhimmel. Ein tolles Erlebnis, besonders wenn man bedenkt, dass das Gebäude schon seit 1600 steht und an der alten Seidenstraße liegt.

Der letzte Stopp der Rundreise war Shiraz, die lässigste Großstadt des Irans. Deren Bewohnern wird Gemächlichkeit und Ruhe nachgesagt. Hier ist alles eine Spur langsamer, was besonders beim Verkehr deutlich wurde. Shiraz wird auch der "Garten des Irans" genannt, hier ist es viel grüner als der sonst recht einseitige, sandfarbene und trockene Teil des Landes. Historisch gesehen war Shiraz das kulturelle Zentrum der Perser nachdem Alex der Große Persepolis zerstört hatte.

Zusammenfassend glaube ich, dass der Iran als Reiseland in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen wird, sofern es mit dem Präsidenten klappt und der Typ mit der Locke überm Teich Ruhe bewahrt. Die Beziehung USA - Iran ist schon sehr speziell, US-Bürger dürfen zum Beispiel nicht ohne Guide unterwegs sein. Das Gefährlichste war für mich das Überqueren der Straßen, primär in Teheran, denn das ist ungefähr mit dem Mittlerer Ring in München ohne Ampeln zu vergleichen und keine Ampel. Am Betsen einfach langsam und konstant drüber laufen.

Hier nochmal die Reiseroute: Teheran, Ghom, Kashan, Abyaneh (2800m), Isfahan, Yazd, Zeinodin Caravanserai, Persepolis, Shiraz

Tipps: Nur Bares ist wahres, Kreditkarten funktionieren wegen den Sanktionen nicht. Bargeld sollte aber knitterfrei und nicht beschrieben sein, wenn man es umtauschen möchte. Das geht in Hotels, Tauschläden und auf dem Schwarzmarkt auf der Straße.

Das Land an sich liegt relativ hoch, ab 1200m und höher. Da die Luft eher trocken und sandig ist, sollte man darauf achten sich gut einzucremen. Frauen sollten eine Kopftuch tragen, wobei nicht mehr wie früher die gesamten Haare bedeckt werden müssen. Grundsätzlich sollte man sich, was die Kleidung angeht, anpassen, das gilt auch für Männer. Kurze Hosen sind eher zu meiden.

Die besten Reisezeiten sind der April und der Oktober, sonnig und angenehm, jedoch nicht zu heiß. Als Vegetarier oder Veganer hat man hier und da so seine Probleme. Ansonsten ist das Essen aber super lecker und vor allem frisch. Nicht zu vergessen die tollen Teeläden, wo es zu einem starken Pot Schwarztee genügend Zucker für ne Woche gibt. Seit einiger Zeit wird auch Kaffee immer beliebter, in Isfahan gibt es zum Beipisle seit zwei Jahren ein kleines Cafe. In Shiraz gibt es das Ferdowsi Cafe, ein schickes Cafe mit dem besten Schokokuchen überhaupt, tollem Kaffee und einem sehr jungen Publikum - Must-To-Do.


 
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CHRIS EBERHARDT

München, Deutschland

Chris ist reisebegeisterter Fotograf, Sneakerhead, Kaffeeliebhaber und Tagträumer. Wenn er sich nicht gerade um Zahlen und Daten bei einem Telco Unternehmen kümmert, findet man ihn auf Hochzeiten beim Fotografieren oder irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs, um mal wieder eine große Ladung Fernweh nach Hause zu bringen. Beides, Hochzeits- und Reisefotografie, haben für ihn etwas gemeinsam: es gilt dabei, Neues zu entdecken und vielfältige Emotionen, Charaktere und Kulturen abzubilden. 

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