You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Kirschblüte in Japan | Chris Eberhardt

Kirschblüte in Japan | Chris Eberhardt

Japan, das Land der Widersprüchlichkeiten. Leise und laut. Konservativ und verrückt. Zurückhaltend und extrovertiert. Verspielt und diszipliniert. Das Land der Automaten, der Cosplayer, der Sauberkeit. Zum dritten Mal besuchte ich Anfang April das Land der aufgehenden Sonne. Diesmal vor dem Hintergrund der Kirschblüte, denn bislang kannte ich das Land „nur“ im Herbst zur Herbstlaubfärbung.

Die Fahrt vom Flughafen in die Tokioter City war schon die erste Überraschung. Ich kam mir vor wie beim Oktoberfest in der S-Bahn in München. Alkoholgeschwängerte Luft, am Boden sitzende „Salarymen“, alles so gar nicht typisch für das ansonsten auf Zurückhaltung und Sauberkeit bedachte Japan. Aber es war Freitagnacht und Kirschblütenfest (Hanami), d.h. nichts anderes als sich in Vorfreude auf wärmere Temperaturen und dem Ende der kalten Jahreszeit zusammen mit Kollegen und Freunden und viel Bier oder Sake in einen Park zu setzen und zu feiern. Das kann dann schon mal feuchtfröhlich über die Stränge schlagen bedeuten.

Los ging’s mit einigen Tagen in Tokio im Yanaka Viertel nahe der Nippori Station der Yamanote S-Bahn Ringlinie. Das Viertel ist für einen Start in Japan sehr angenehm, da es übersichtlich, leicht europäisch angehaucht und ruhiger, geradezu gemütlicher ist als die bekannteren Viertel in Tokio. Klassischerweise besucht man als Japaner während der Kirschblüte (Sakura) einen der vielen Parks in Tokio. Da kann es dann aber auch passieren, dass man sich durchschiebt wie zum Höhepunkt der Feierabendrushhour. Verrückt diese Begeisterung und auch Geduld in den vielzähligen Warteschlangen.

Tokio kann manchmal richtig fordernd sein. Laut, weil die Rolltreppe oder der Aufzug mit einem redet, eine Melodie wie im Videospiel die Ein- und Abfahrt des Zuges verkündet, ein fast melodisches Piepsen die Grünphase der Ampel ankündigt und begleitet oder die riesengroße Werbetafel das neueste Album der momentan hippsten Boyband laut- und zudem lichtstark anpreist. Dem kann man hin und wieder gut und gerne entfliehen - z.B. mit einem schönen Tagesausflug nach Kamakura, ca 1h von Tokio entfernt. Dort lässt sich ein großer Buddha bewundern. Eigene Wünsche bringt man auf Holztäfelchen in Schreinen an. Eine kleine Wanderung durchs Hinterland und ein Spaziergang am Strand lassen das schnelllebige Tokio für einen kurzen Augenblick vergessen - Zeit zum Durchatmen.

Als Kontrast zur Riesengroßstadt verschlug es mich auch nach Kanazawa, eine relativ niedrig bebaute und verhältnismäßig kleine Stadt an der Nordküste Japans. Dort kann man sich im alten Geisha- und Samuraiviertel vor Augen führen wie die Menschen früher dort gelebt haben könnten, zumindest kann man sich vorstellen wie die Umgebung aussah. Außerdem befindet sich in der Stadt einer der schönsten Landschaftsgärten des Landes, der Kenrokuen. Ein tolles Beispiel für die akkurat schöne japanische Gartenkunst.

Die dritte Station waren Osaka und Kyoto, die die zweitgrößte Metropolregion in Japan bilden. Vor allem die frühere Kaiserstadt Kyoto ist ein Muss. Denn dort befindet sich der berühmte Fushimi Inari Schrein mit seinen unzähligen orangefarbenen Holztoren. Kleiner Tipp: sehr früh aufstehen, dann hat man die Chance, sich nicht wie am Tokioter Shinjuku-Bahnhof zu fühlen. Alternativ kann man den Weg bis zum Berggipfel bestreiten; denn die wenigsten Touristen gehen diesen Weg, so dass sich die Aussicht auf Kyoto in Ruhe genießen und die vielen kleinen Schreine am Wegesrand ohne Gedränge bewundern lassen. Das gleiche, also früh Aufstehen, gilt auch für den Bambuswald bei Arashiyama. Allerdings gibt es in dessen Nähe noch einen kleineren Bambuswald, der möglicherweise nicht so hoch frequentiert ist; fragt mich nun aber bitte nicht, wo der ist, denn ich hab’ ihn leider nicht gefunden. 

Osaka ist dann eher das urbane Erlebnis in der Metropolregion mit seinen ellenlangen zum Glück überdachten Einkaufspassagen, denn leider hat es beim Stadtspaziergang geregnet. Wer auf kleine feine Cafés steht, der ist im Viertel Nakazakinishi gut aufgehoben. Da kann man schon eine tolle Cafétour machen, sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter.

Zurück in Tokio, dem Shinkansen Schnellzug sei Dank. Ist eigentlich wie Fliegen, nur eben auf Schienen und im Gegensatz zu anderen Ländern fast immer super pünktlich :) . Vergesst nicht euch die obligatorische Bentobox (die japanische Variante der Brotzeitbox) zu kaufen, um ein klassisches japanisches Zugreisefeeling zu erleben. Auf der letzten Etappe ging es ins Megaviertel Shinjuku und Shibuya, ins Kawaii Monster Café, hoch auf 350m des neuen Skytreetowers, durch den Fischmarkt und durch das Rotlichtviertel Kabukicho mit seinem Golden Gai Partybereich.

Das Kawaii Monster Café in Shinjuku ist eine kleine Welt für sich, am besten unter der Woche gegen 18:00 Uhr dort rein, Nachmittags stehen unendlich viele Schüler/innen Schlange bis ins Erdgeschoß. So eine Location muss man mal gesehen haben, quietschbunt, laut, skurill und im weitesten Sinn das Thema “Monster”, mir hat es sehr viel besser gefallen als das viel beworbene und sehr viel teurere Robotcafé. 

Der Fischmarkt ist leider nicht mehr das, was er mal war, Dank der vielen Touristen, die sich in der Vergangenheit offensichtlich nicht benehmen konnten. Es ist nun mal kein Museum, sondern ein Markt mit täglichen Großhandel. Durfte man früher noch alle kleinen Gassen erkunden und mit Vorsicht und Respekt Fotos machen, so wacht nun eine Marktpolizei über das Areal und viele Fotoverbotsschilder säumen die Stände. Würde ich als Standbesitzer auch begrüßen, denn viele Touristen stehen nur im Weg rum und kaufen nichts. Nun, der Markt wird bald auf ein neues Gelände umziehen und somit wahrscheinlich auch den Charme verlieren.

Das Highlight meiner Reise war die Tagestour zum Fuji, Plan A, so nah wie möglich zum Gipfel fahren, ging leider nicht auf, da das letzte und interessanteste Streckenstück noch wegen Schnee gesperrt war. So ging’s zum mindestens ebenso beeindruckenden Plan B, dem Yamanaka See. Das ist der zweitgrößte See der Region. Am Nordufer hat man einen tollen Blick auf den Fuji, im besten Fall ohne Wolken. Interessanterweise war der See kaum besucht und so konnten wir idyllisch die Aussicht genießen.

Tipps: Wer’s leise haben mag: Shinjuku Garden, unter der Woche, oder Yanaka Friedhof. Wer’s laut und grell haben will: Shibuya Crossing und angrenzende Straßen, früh aufstehen oder spät hingehen.

Budget: Grundsätzlich heißt es wie immer früh buchen, vor allem wenn man zur Kirschblüte oder Herbstlaubsaison hinfliegen möchte. Als Airbnb Anhänger ist man sehr gut in Japan aufgehoben,  es gibt sehr gute voll ausgestattete Wohnungen. Bislang hat mich diese Übernachtungsart nicht enttäuscht. Dennoch sollte man auch evtl. eine Übernachtung in einem Ryokan einplanen, das ist ein historisches Gebäude mit Schlafen auf dem Boden und den typischen dünnen Wänden, die man so aus klassischen Filmen kennt.

Zu empfehlen ist auch der Japan Rail Pass (JR Pass), den gibt’s für 7, 14 oder 21 Tage. Damit lassen sich die Shinkansen und diverse Regional- oder Expresszüge sowie bspw. in Tokio oder Osaka die Ringlinie befahren. Sehr angenehm ist auch eine Datensimkarte, so kann man sich schön mit Google Maps zurechtfinden. Denn freies Wlan ist zwar im Kommen, aber meiner Erfahrung nach noch nicht soo schnell. Sehr cool ist auch die App Hyperdia, die einem mögliche Verbindungen für S-Bahn und Züge ausspuckt und das auch mit Hinweis auf den Preis bzw. die Abdeckung durch den JR Pass. Essensmäßig ist ja wie immer der Preis nach oben hin offen, man denke da mal an Kobe Rind BBQ – lecker, aber geht ins Geld. Daher, wer zwischendurch preiswerter essen möchte, der kann sich in Running Sushis austoben, klar man merkt es, aber es ist dennoch ok bis gut.  Oder man genehmigt sich eine Nudelsuppe oder ein paar Teigtaschen (Gyoza).


 
 

CHRIS EBERHARDT

München, Deutschland

Chris ist reisebegeisterter Fotograf, Sneakerhead, Kaffeeliebhaber und Tagträumer. Wenn er sich nicht gerade um Zahlen und Daten bei einem Telco Unternehmen kümmert, findet man ihn auf Hochzeiten beim Fotografieren oder irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs, um mal wieder eine große Ladung Fernweh nach Hause zu bringen. Beides, Hochzeits- und Reisefotografie, haben für ihn etwas gemeinsam: es gilt dabei, Neues zu entdecken und vielfältige Emotionen, Charaktere und Kulturen abzubilden. 

BLOG | FACEBOOK | INSTAGRAM

Tasmanien | Hilde Franzsen

Tasmanien | Hilde Franzsen

Abenteuer Hawaii | Belka Berlin

Abenteuer Hawaii | Belka Berlin