You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Kuba | Thomas Brauchle

Kuba | Thomas Brauchle

Kuba hat sich in den letzten Jahren immer mehr geöffnet und einen immer größeren Andrang von Touristen erlebt. Darum war ich froh, dass es im November 2016 mit einem Kumpel endlich geklappt hat, durch das sich verändernde Land zu reisen! Wir sollten auf dieser Reise auch einen speziellen Moment erleben, als mit Fidel Castro das langjährige Oberhaupt des Landes starb und danach eine 9-tägige Staatstrauer angesetzt wurde. Wir wollten in unseren vier Wochen in Kuba natürlich so viel wie möglich vom Land sehen. Da die Taxis vor Ort aber relativ teuer sind, starteten wir unseren Trip nach ein paar Tagen in Havanna mit einem eigenen Auto von Holguin im Osten. Mietwagen in Kuba sind auch noch Mangelware, darum sollte jeder, der sich das Gleiche überlegt zu tun, sich so früh wie möglich darum kümmern. Zwei Monate kurz vor der Hochsaison war für uns schon fast zu knapp! Übernachtet haben wir in dieser Zeit immer bei Einheimischen in den sogenannten casas particulares, was uns natürlich einen viel authentischeren Blick in das Leben der Kubaner gegeben hat. 

An den ersten Tagen in Havanna erkundeten wir die verschiedenen Stadtviertel zu Fuß. Die Farben in den Straßen waren besonders, die Menschen sehr sympathisch, Musik wurde natürlich an jeder Ecke gespielt und überall knatterten die alten Oldtimer durch die Straßen. Es war interessant wie die Kubaner ihre Autos doch noch gerade so am Laufen halten können. 

Die Altstadt "La Habana Vieja" ist z.B. sehr sehenswert, wenn auch tagsüber recht überlaufen von Touristen, der Sonnenuntergang abends an der Strandpromenade des bekannten Malecons wunderschön und der riesige Friedhof "Cementerio Cristobal Colon" ist noch ein bisschen ein Insidertip, mit den vielen künstlerischen Gräbern und einer vierspurigen Straße für die Autos mittendrin! Auch der Ausblick von der großen Festung "La Cabaña" auf der anderen Flußseite von Havanna bietet einen schönen Ausblick auf Havanna gerade zum Sonnenuntergang.

Danach ging es mit dem Flugzeug Richtung Osten nach Holguin, um dann per Mietwagen unsere Tour nach Santiago de Cuba zu starten. Die Landschaft zwischen Holguin und Santiago de Cuba war schön ländlich mit vielen Palmenwäldern und Zuckerrohrplantagen. Die Straßen waren wie erwartet – übersät mit tückischen Schlaglöchern.

Die zwei vollen Tage in Santiago de Cuba waren richtig interessant. Wir hatten ein zentrales Casa direkt am Parque Cespedes und bei der Santa Basílica Metropolitana Iglesia Catedral und konnten so alles gut zu Fuß erreichen. Nur zur Burg "Castillo del Morro", welche schön etwas oberhalb an der Südküste liegt, mussten wir das Auto nehmen. Zum ersten Sonnenuntergang waren wir am großen Friedhof "Cementerio Santa Ifigenia" und dem beeindruckenden Mausoleum für den Nationalheld Jose Marti, wo alle halbe Stunde die Wache mit einem mächtigen Trommlermarsch gewechselt wird. Zwei Wochen, nachdem wir hier waren, wurde übrigens auch Fidel Castro hier beerdigt. Für den nächsten Tag hatten wir einen sympathischen Guide gefunden, der uns mal etwas Anderes von Santiago zeigen sollte. Er zeigte uns z.B. wie die afro-kubanische Kultur und Religion der Santaria hier praktiziert werden oder wie das Leben im ärmsten Slum der Stadt (Chicharrones) aussieht.

Als nächstes Ziel stand das wunderschöne Sierra Maestra Gebirge auf dem Programm, in welchem sich damals die Männer um Fidel und Che Guevara vor der spanischen Regierung versteckt hatten. Eine spannende Strecke dorthin gibt es südlich von Santiago de Cuba über Pilon direkt an der Südküste von Kuba. Nach einem Hurrikan 2012 ist die Straße zwischen Santiago de Cuba und Pilon gerade bei Pilon immer noch sehr schwer zu befahren und so muss man über eingestürzte Brücken oder diverse Strände fahren. Aber die 140km Strecke sind ja in 8h gut machbar, also kein Problem!

Auf der Strecke gab es einige wunderschöne und lohnenswerte Ausblicke auf die Küste Kubas. Die Sierra Maestra war definitiv neben dem Vinales Tal (kam als Abschluss) die schönste und beeindruckendste Landschaft, welche wir in Kuba sehen sollten! Unser Plan war es dort von Santo Domingo aus zum damaligen Versteck von Fidel zu wandern. Die Anreise mit dem Auto durch die hügelige Dschungellandschaft alleine war aber schon ein Highlight und pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir auch dann in Santo Domingo. Das Gebirge um den höchsten Berg Kubas, den Pico Turquino, ist dicht bewachsen vom Dschungel und mit einigen kleinen Dörfern besiedelt. Wir wohnten in einem schönen einfachen Casa in Santo Domingo und früh morgens ging es los mit dem Jeep hoch zum Startpunkt der Wanderung. In einer kleinen Gruppe ging es circa drei Stunden lang durch den Dschungel, bis wir das ehemalige Versteck von Fidel Castro und seinen Mannen erreicht haben. Der Weg dahin war beeindruckend und sehr dicht bewachsen, kein Wunder, dass die staatliche Armee damals die Gruppe um Fidel vergeblich gesucht und bombardiert hatte.

Nach der Sierra Maestra standen als nächstes die schönen Strände der Inseln Cayo Coco und Cayo Santa Maria auf dem Programm. Dazwischen lag aber eine lange Strecke von Süd nach Nord einmal quer durch eine sehr ländliche Region, wo die Kubaner hauptsächlich Zuckerrohrplantagen bewirtschaften. Die Anfahrt auf die Inseln war jeweils spannend, da es über eine gut 20 km aufgeschüttete Straße zwischen der Küste und den Inseln ging. Die Straßen wurde vor vielen Jahren auf Wunsch von Fidel Castro erbaut, um dort den Tourismus anzukurbeln. Die Strände waren auf jeden Fall schön, aber leider auch von vielen Algen vom letzten Sturm noch recht verschmutzt.

In Caibarien gibt es ein Freiluft-Museum für alte Lokomotiven ab dem Jahr 1900 circa. Unser Plan war hier einen kurzen Zwischenstop zu machen und dann weiter nach Remedios zu fahren. Von weitem kam dann eine alte Lok angetuckert, hielt bei uns an und wir kamen ins Gespräch mit den beiden Lokomotivführern. Kurz darauf waren wir in der Führerkabine der Lokomotive aus dem Jahr 1914 und konnten auf dem Weg nach Remedios einmal aus der Nähe begutachten, was die Jungs da in der Hitze so arbeiten müssen. Remedios war eines der schönsten Städtchen auf unserem Trip! Es ist noch recht klein und überschaubar, auch noch nicht überlaufen und mit einigen schönen Ecken und einem sehr gemütlichen Flair!

Nach Caibarien im Norden Kubas ging es wieder Richtung Süden mit einem Zwischenstop in Santa Clara – in welcher Che Guevara in einer Schlacht berühmt wurde und sich sein Grabmahl befindet. Am interessantesten fanden wir ein kleines unscheinbares Cafe im Zentrum – das Cafe Revolution. Hier hat ein Kubaner viele alte Dokumente, Fotos und Gegenstände aus der damaligen Zeit gesammelt und serviert bei einem gemütlichen Ambiente auch noch guten Kaffee und noch leckeren Mojito!

Nach einer Nacht in Santa Clara ging es am nächsten Tag mit dem Auto weiter Richtung Süden mit Ziel Trinidad, der bunten und weltweit bekannten Unesco-Weltkulturerbe-Stadt. Die Anfahrt durch den Nationalpark von Topes de Collantes und dessen wunderschöner grüner Landschaft war aber nicht weniger beeindruckend! Trinidad selbst war echt schön und die bunten Straßen geben auch einige schöne Fotomotive her mit den Menschen und Oldtimern. Aber tagsüber war die Stadt so überfüllt von Touristen, dass wir in den nächsten Tagen nur noch Ausflüge tagsüber in die Umgebung machten und nur noch in den frühen Morgenstunden die Straßen und das Flair der Stadt genossen haben. Der Nationalpark von Topes de Collantes mit seinen Kaffeeplantagen und Wasserfällen wie El Nicho und Santo del Caburni sind schöne Ausflugsziele von Trinidad aus und eine schöne Abwechslung zu den überfüllten Straßen. Unsere erste Nacht in Trinidad war dann aber auch die Nacht, in welcher Fidel Castro starb und von da an für neun Tage Staatstrauer angesagt war! Also z.B. keine Musik und kein Alkohol. Die Straßen Trinidads waren nur am diesem Abend voller Leben und danach waren sie wie ausgestorben.

Nach Trinidad ging es weiter für uns Richtung Cienfuegos, einer schöner und gemütlichen Stadt ebenfalls an der Südküste von Kuba. Vor dem Urlaub hab ich mich vor allem eines gefragt – schaffen wir es in das verlassene Atomkraftwerk bei Cienfuegos zu kommen? Es gab einige Berichte im Internet darüber, dass man eigentlich gar nicht mehr dort rein kommt. Das Atomkraftwerk wurde damals fast fertig gestellt, wurde aber nie in Betrieb genommen, da kurz davor die Sowjetunion zerbrach und keine atomaren Brennstäbe für Kuba mehr erhältlich waren. Seitdem rottet es vor sich hin.

Am ersten Morgen in Cienfuegos sind wir also aufgebrochen um das AKW zu finden (dank Offline Karten wie Maps Me kein Problem) und nach einiger Suche und einer Wanderung durch die angrenzende verlassene Stadt standen wir auf einmal davor! Der Reaktor selbst war leider nicht mehr zugänglich und wird in der Zwischenzeit bewacht, aber die restlichen Gebäude und Kühlhäuser waren noch frei zugänglich. War natürlich ne mega spannende Erfahrung für uns! 

Nach Cienfuegos stand wieder eine lange Autofahrt mit ca. 500km zum bekannten Vinales Tal südwestlich von Havanna vor uns. Die Autobahnen Richtung Havanna und dann nach Vinales waren aber in einem sehr guten Zustand. So blieb uns noch genug Zeit übrig, kurz vor Vinales noch einen Abstecher zur wunderschönen Region von Las Terrazas zu machen, um dort zwei verlassene Kaffee Fincas zu suchen, welche dort in den tiefen Wäldern schon seit circa 200 Jahren schlummern. Nach einer schönen Wanderung haben wir die Ruinen doch finden können und der Anblick mit der ganzen Einsamkeit drumrum war schon was Besonderes!

Zum Sonnenuntergang waren wir dann an unserer letzten Station für diesen Urlaub angekommen – dem beeindruckenden Vinales Tal und dessen interessanten Kalksteinformationen und roten, sehr fruchtbaren Böden. Aus dieser Region kommt u.a. auch der beste Tabak Kubas! Die Kalksteinformationen des Vinales Tales sind gerade in den frühen oder späten Stunden was Besonderes, wenn diese vom Licht des Sonnenaufgangs/-untergangs angeleuchtet werden! Am ersten Tag machten wir uns auf eine große Wanderung durch das Vinales Tal und kamen so am Ende des Tages bei über 30 Grad doch auf gute 20km. Die Landschaft und die roten Böden hier sind schön zum Wandern und auf der Strecke deckten wir uns mit massig Kaffee und Honig ein. 

Ein weiteres Ausflugsziel von Viniales aus ist der Strand von Playa de Cayo Jutia ungefähr zwei Stunden nordwestlich von Vinales. Die Straße dorthin war die heftigste, welche wir auf dem gesamten Roadtrip quer durch Kuba erlebt hatten! Tiefe überraschende Schlaglöcher oder Sträucher/Bäume, welche mitten auf der Straße aus den Schlaglöchern gewachsen sind... Nichts, was es nicht gab!

Nach drei Wochen im Auto und über 3200 km auf den Schlaglochpisten von Ost nach West kamen wir dann wieder zurück nach Havanna und waren am Ende froh darüber, dass außer einem Plattfuss nichts mit dem Auto passiert ist. 

Die letzten Tage haben wir in Havanna nur noch ein bisschen gechillt, ein paar Souvenirs für unsere Freunde und Familien daheim gekauft und noch den ein oder anderen Mojito genossen. Gerade nachdem die Staatstrauer endlich vorbei war und wieder Salsa das Leben wieder in die Straßen zurückgebracht hat, merkte man, was den Kubanern so gefehlt hat! Es war ein schöner Moment zu sehen, als an dem Montag zum ersten Mal nach neun Tagen wieder Live-Musik gespielt wurde und sich viele Menschen vor den Kneipen versammelt und miteinander getanzt und gelacht haben. Schwer zu beschreiben, es bleibt auf jeden Fall lange in unserem Gedächtnis! Das Besondere an Kuba sind nicht die wunderschönen Landschaften oder alten Autos, es sind vor allem die Menschen, welche uns am meisten beeindruckt und inspiriert haben.

Unterwegs nehme ich gerne irgendwelche Straßenmusik auf, um daraus eine nette Slideshow zu Basteln. Dieses Lied hier ("Chan Chan", jeder sollte es eigentlich ja kennen) war das erste Lied nach der Staatstrauer, aufgenommen in der bekannten Bar „Montserrat“ in La Habana Vienna, mit einem leckeren Mojito in der Hand und den vorbeifahrenden Oldtimern im Hintergrund. Muchas gracias por todo y hasta luego Cuba!


 
 

THOMAS BRAUCHLE

Friedrichshafen, Deutschland

Thomas ist eigentlich gelernter Informatiker, aber inzwischen auch als Hochzeitsfotograf unterwegs. Er liebt es, die Geschichten und Emotionen zweier Menschen fotografisch zu begleiten und festzuhalten. Gerade mit Bürojob ist es für ihn besonders angenehm, in der Freizeit raus in die Natur zu gehen, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. All das hat sein Leben in den letzten Jahren sehr bereichert. Sein Herz hat er an Island verloren.

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