You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Lappland | Ve Wolff

Lappland | Ve Wolff

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Einmal den hohen Norden im Winter kennen zu lernen war ein lang gehegter Traum von mir. Ich war schon mehrmals im Sommer in Skandinavien unterwegs, aber noch nie zur kalten Jahreszeit. So ging es kurz nach Weihnachten mit dem Flugzeug nach Helsinki und abends von dort aus mit dem Bus in Richtung Polarkreis.

Je weiter wir nach Norden kamen, desto verschneiter wurde es. Viel zu fasziniert war ich von dem Schnee, der Dunkelheit und der scheinbar endlosen Straße, die durch die finnischen Wälder führte, als dass ich hätte schlafen können während der Fahrt. Stundenlang ging es durch die Nacht mit ihren tanzenden Schneeflocken. Hin und wieder erblickte ich einzelne Häuser zwischen den Bäumen, die nur wegen ihrer weihnachtlichen Beleuchtung zu sehen waren. Am nächsten Mittag erreichten wir Rovaniemi, die Hauptstadt Finnisch-Lapplands. Dort besuchten wir das Arktikum, in dem sich das Arktische Wissenschaftszentrum sowie das Museum der Provinz Lappland befinden. Ein beeindruckendes Gebäude in dem man viel über das Leben jenseits des Polarkreises erfahren kann, sowohl über die Natur als auch über die Lebensweise der Sámi, ein indigenes Volk, welches im hohen Norden Europas heimisch ist.

Kurz später ging es weiter und gut vier Stunden später erreichten wir unser eigentliches Ziel: Inari. Eine Gemeinde etwa 250 km nördlich des Polarkreises mit nahezu 7000 Einwohnern, die sich jedoch auf eine Fläche von über 17.000 Quadratkilometern verteilen – was etwa der Fläche von Thüringen entspricht. Wie menschenleer es dort oben ist, kann man sich anhand dieser Zahlen möglicherweise vorstellen. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen hat mich Inari nachhaltig verzaubert und ich kann einen Besuch, vor allem zur Winterzeit, nur empfehlen.

Als der Himmel am nächsten Morgen gegen 9 Uhr langsam ein dunkles blau annahm, stand ich begeistert am Fenster. Immerhin wusste ich bis dahin nicht, was genau ich von der sogenannten Polarnacht zu erwarten hatte. Tatsächlich ist die Polarnacht gar nicht so dunkel wie der Name annehmen lässt. Zwischen 11 und 13 Uhr ist es nahezu taghell. Lediglich die Sonne bleibt hinter dem Horizont versteckt. Zu dieser Tageszeit stapften wir dick eingemummelt durch den schneebedeckten Wald. Lichtungen entpuppten sich meist als zugefrorene Seen, deren Ufer man nur vage erahnen konnte. Verließ man die vorgegebenen Wege, stand man schnell bis zu den Knien oder gar tiefer im Schnee. Als es anfing zu dämmern, ging es zurück in die Hütte um zu Mittag zu essen und ein Nickerchen zu machen. Genau dies war der Zeitpunkt, der mich jegliches Gefühl für die Zeit verlieren lies. Bereits um 16 Uhr war es draußen wieder vollkommen dunkel. Stand man von einem Nickerchen wieder auf, so wusste man ohne Uhr nicht annähernd welche Uhrzeit es war.

Am Abend gingen wir wieder nach draußen an den See, denn nun war die perfekte Zeit für Nordlichter. Auf was ich da eigentlich wartete, wusste ich nicht. Anfangs hielt ich das schwache Leuchten am Nachthimmel für eine Wolke. Doch spätestens auf dem Bildschirm der Kamera wurde deutlich, dass es sich dabei definitiv um keine Wolke handelte. Ein grünes Leuchten, das sich in breiten Bändern am Horizont entlang zog und mal langsam, so dass man es kaum merkte, und mal schnell seine Formen änderte. Pure Magie und kaum in Worte oder Bilder zu fassen. Wie faszinierend schön dieses Schauspiel ist, kann man nur mit eigenen Augen erfahren. Das beeindruckendste Nordlicht-Erlebnis hatten wir am Silvesterabend. An diesem Abend machten wir eine Wanderung mit Schneeschuhen. Mit Schneeschuhen ist es nicht nur möglich schneebedeckte Hänge relativ mühelos hoch zu laufen, sondern auch das normale Laufen im Schnee geht schneller und ohne all zuviel Anstrengung. Wir erreichten genau im richtigen Moment einen zugefrorenen See um ein wunderschönes Nordlicht-Spektakel beobachten zu können. Ein langes Band aus grünem Licht spannte sich über den gesamten Himmel und veränderte rasant seine Form. Es war unglaublich schön und besser als jedes Feuerwerk. Der perfekte Start ins neue Jahr.

An einem Tag machten wir einen Ausflug nach Norwegen in das kleine Fischerdorf Bugøynes, das am arktischen Ozean in der Nähe der russischen Grenze liegt. Bugøynes ist eines der wenigen Dörfer, die während des zweiten Weltkrieges nicht verbrannt und damit zerstört wurden – und dies aus einem recht einfachen Grund: zu diesem Zeitpunkt war der Ort nur über den Seeweg erreichbar. Da keine Straße dorthin führte, blieb er unentdeckt. In Bugøynes besuchten wir eine kleine Holzofen-Sauna. Anschließend ging es runter an den Strand um im arktischen Ozean zu schwimmen, zumindest für diejenigen, die den Weg durch den Schnee an den Strand schafften und nicht schon vorher wegen gefühlt eingefrorenen Füßen aufgaben. Nach einem Spaziergang durch den Ort vorbei an den Gebäuden der Königskrabben-Fischerei und einer warmen Fischsuppe ging es zurück nach Inari.

Eins der schönsten Erlebnisse war die Fahrt mit dem Schneemobil über den zugefrorenen Inarijärvi, Finnlands drittgrößten See. Geplant war, dass die Schneemobiltour durch den Wald führen sollte, doch wir hatten Glück, denn genau an diesem Tag kam die Nachricht, dass der See nun so dick zugefroren sei, dass wir mit den Schneemobilen darauf fahren konnten. Nachdem wir mit Overalls, dicken Stiefeln, Handschuhen und Helmen ausgestattet worden waren, fuhren wir immer zu zweit auf einem Schneemobil auf den See hinaus. Eine surreale Landschaft zeigte sich. Aus dem gefrorenen Eis ragte hier und da eine Leiter oder ein Sprungbrett hinaus. Wir fuhren 30 Minuten und das Eis schien kein Ende zu nehmen. Der vielleicht schönste Moment war, als wir bei einem kleinen Stopp die Scheinwerfer der Schneemobile ausschalteten und wir fernab von anderen Lichtquellen einen uneingeschränkten Blick auf den Himmel hatten. Der Himmel erstreckte sich über uns wie die überdimensionale Kuppel eines Planetariums. Es waren tausende Sterne zu sehen zwischen denen an einigen Stellen grüne und violette Nordlichter aufleuchteten. Spätestens hier wusste ich, dass die skandinavischen Winternächte nicht dunkel, sondern voller Sterne und Farben sind.


 
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Fotografin Ve Wolff

Bonn, Deutschland

Ve ist Fotografin, Mediendesignerin und Wortliebhaberin. Sie ist davon überzeugt, dass kleine Dinge jeden Tag zu einem ganz Großen machen können und ist immer auf der Suche nach neuen Orten, die es zu entdecken gilt. Zu Kuchen kann sie nur schwer Nein sagen und versucht, der Natur zuliebe möglichst bewusst und nachhaltig zu leben.

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