You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Jahresrückblick und Magazin-Launch

Jahresrückblick und Magazin-Launch

Ich hätte gerne von Anfang an gewusst, wohin es eigentlich geht. Stattdessen verbrachte ich einen Großteil des letzten Jahres mit der Suche nach dem Ziel, das mir auf dem Weg seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit vor zwei Jahren unmerklich abhanden gekommen ist. Das letzte Jahr war das Jahr des Chaos'. Doch Chaos, so lernte ich, ist etwas Gutes. Chaos ist Teil der Reise. Chaos ist Teil dieses ganzen Abenteuers, das wir später als unser Leben in Erinnerung behalten.

Ein Rückblick auf das zweite Jahr nach der Kündigung.


Der Jahresbeginn im Schnee

Das Jahr 2015 beginnt für uns im Schnee von Königssee und Chiemsee. Der Winter macht uns einen Strich durch die Rechnung: Anstatt in Kitzbühel mit Sekt auf das Neue Jahr anzustoßen, feiern wir im beschaulichen Siegsdorf bei Chiemsee. Das Dorf ist faktisch eingeschneit. Statt Champagner und Hüttenparty gibt's Punsch aus der Thermoskanne und Schlittenfahren am Silvestermorgen.

Das Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht. Das Leben weiß es einfach besser.

WInter in der Karibik

Es ist Ende Januar und ich verschwinde in die Karibik. In den vier folgenden Wochen wohne ich in einem Baumhaus auf Dominica, fahre auf den Spuren von Jack Sparrow durch das Dschungel-Dickicht des Indian River, verbringe meine Tage mit Surfern am Batsheba Strand von Barbados, lerne in der Hängematte zu "lime-en" und zu karibischem Socca Karneval-Klängen zu "wind-en". Und ich verliebe mich in Tobago.

Tobago ist nicht besonders paradiesisch, aber die Art, wie die Palmen im Wind rascheln, die Menschen ihre Herzen gegenüber Fremden öffnen und die Stille, die sich mit jedem Tag mehr in meinem Kopf ausbreitet, macht die Insel zu meinem Zuhause in der Karibik. Nach vier Wochen Insel-Hopping kehre ich noch einmal nach Tobago zurück. Ich wohne in einem Bruchhaus direkt an der Hafenpromenade, schlafe unter einem Moskitonetz, trinke gekühlten Rum aus Kaffeetassen und verbringe meine Abende mit Dorfbewohnern, die uns mit Musik versorgen. Am meinem letzten Abend schaue ich von unserer Terrasse auf die Boote, die im Takt der Wellen schaukeln und denke, dass dieses einfache Leben vielleicht doch genug ist...

Für mich. Für jetzt. Für immer. 

Frühling in Venedig

Der Frühling kommt und verändert alles. Dieser Abschnitt müsste eigentlich "Und dann kam Serena" heißen. Serena schneite einige Monate zuvor in mein Leben. Wir trinken erst Kaffee, dann Glühwein auf einer Weihnachtsfeier, dann schließlich tagelang Tee während sie mir dabei hilft, die dritte Ausgabe FernwehO Mag fertigzustellen. An einem Morgen im März sitze ich in einer Meet-Up-Runde, die sich auf meine Initiative versammelt hat. Ich bin ziemlich krank, müde von der Arbeit, gestresst von den Terminen der Tourismusmesse und muss doch die Leute um mich herum unterhalten. Serena kommt mit zehn Minuten Verspätung, setzt sich mir gegenüber, zwinkert mir kurz zu und unterhält dann die Runde im Alleingang. 

Die Erleichterung, die ich spüre, ist mir fremd. Ich war schon immer ein Einzelkämpfer. Ich bin es bis zu diesem Tag. Denn plötzlich sitzt mir jemand gegenüber, der mir die Hälfte abnimmt - ungefragt, ohne etwas dafür zu erwarten und mit einem unfehlbaren Gespür dafür, was ich gerade denke. Wenn ich Klischeeromane schreiben würde, käme jetzt der Satz, dass sich zwei Hälften eines Ganzen zusammengefunden haben. Aber ich schreibe ja keine Klischeeromane. 

Wir fliegen nach Venedig und ich schlage ihr die Zusammenarbeit vor. Ich weiß, dass ich niemals wieder so jemanden finden werde. Jemanden, der genauso laut lacht, der genauso unbeirrt neue Wege beschreiten will, der dieselben Ängste und Träume hat, der die Welt mit denselben Augen sieht wie ich. Jemanden, den ich gar nicht gesucht habe.

Und ohne den nichts so geworden wäre, wie es heute ist. 

Ostern und Mai-feiertage im SÜDEN Afrikas

Unsere erste Reise nach Afrika im Jahr zuvor hat meinen Blick auf den Kontinent verändert. Im April reisen wir nach Namibia, schlafen in hausgroßen Canvas-Zelten zu den Rufen von Kojoten und Löwen, klettern auf Dünen, gehen auf Elefantensuche im Damaraland, fahren die Skelettküste entlang, da wo sich der Ozean und die Wüste treffen, schlagen unser Dachzelt unter dem Wasserberg Plateau auf, gehen auf Safari in Etosha, sitzen nachts mit Petroleumlampe und Wasserkocher in Camping-Stühlen und lauschen der Wildnis.

Zum Schluß fliegen wir nach Südafrika und fahren mit dem Zug von Pretoria über Botswana nach Zimbabwe. Am Ende der Reise stehe ich an den Victoria Falls, diesem unwirklichen, donnernden und zischendem Rauch und ich weiß, dass ich nächstes Jahr wiederkommen werden.

Weil mein Herz im Rhythmus von Afrika schlägt. Weil hier alles begann.

Der Sommer im Office. Und ein bisschen SPO & Italien

Der Sommer ist hart. Serena und ich gehen beinahe daran zugrunde. Die vierte Ausgabe FernwehO Mag liegt gerade hinter uns. Es ist die erfolgreichste und doch wissen wir, dass es vorbei ist, dass wir ein Magazin auf die übliche Weise nicht machen können. Die Werbekunden-Akquise und die gestellten Forderungen der Werbebranche lassen unseren Magen nicht nur einmal umdrehen. Wir würden unsere Kreativität einschränken und beinahe jeden Beitrag, jedes Interview mit Werbung bestücken müssen. Das können und wollen wir nicht. 

Stattdessen sitzen wir tagelang an unseren Computern, halten uns beschäftigt, ohne wirklich ein Ziel oder eine Richtung zu haben. Wir sind verloren. Die Juli-Sonne scheint durch unser Office-Fenster, drinnen ist es düster. Wir lenken uns ein Paar Tage mit einem Roadtrip nach Sankt Peter Ording ab, schlafen im Bus, tanzen am Lagerfeuer und leben wie Hippies. Ende August bin ich wieder in Italien, in Cinque Terre, Rom und Venedig. Aber es hilft nichts. 

In diesem Sommer sind wir wütend, wochenlang einfach nur wütend. Wir sortieren Kontakte, mögliche Geschäftspartner und ehemalige Freunde aus. Wir machen einen Kahlschlag. Erst Monate später, als wir in der Normalität angekommen sind, stelle ich fest, dass es ein radikaler Sommer war. Einer, der uns verletzt, zahlreiche Schrammen hinterlassen und uns zum Handeln gezwungen hat.

Es war der Sommer, in dem wir erwachsen wurden.

Noch viel viel Mehr office. Und EIn Wochenende auf Rügen.

An einem dieser dunklen Sommertage - wir sitzen mal wieder auf dem Fensterbrett unseres Büros, schauen auf die Straßenbahn, die nach Weißensee fährt und trinken Rosé um 10 Uhr früh - kommt der zündende Funke. Vielleicht ist es der Rosé, der unser zukünftiges Motto durch den Raum fliegen lässt: Kein Verlag. Keine Werbung. Kein Bullshit.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir kein Budget, keine Ahnung von Verlagsgeschäft, Distribution und Druck, nur eine innere Stimme, die uns immer wieder zuflüstert: Es muss anders gehen. Vielleicht sind wir auch nur sehr naiv. Aber die Tatsache, dass wir nur für die Leser und nicht für die Werbekunden schreiben wollen, treibt uns an. Wir kehren alle Magazin-Prinzipien ins Gegenteil, stellen das Konzept für The Fernweh Collective in einer Nacht auf und beginnen, daran zu glauben. Etwa zur gleichen Zeit bekommen wir unsere ersten Aufträge als Medienkonzepter, arbeiten oft bis in die Nacht an den Aufträgen und nachts an den Plänen fürs Magazin. Diese Zeit ist anstrengend. Aber sie schleift uns, stählt uns und schweißt uns zusammen. 

Wir haben den Sommer überlebt. Und ab hier fürchten wir uns nicht mehr.

Herbst und die Auszeit auf Fischland-Darß

Im Oktober nehme ich mir eine Woche Auszeit und verbringe sie auf Darß. Ich wohne in einem Bauwagen, schlafe viel, laufe jeden Tag Dutzende von Kilometern am Strand. trinke Sanddornsaft, esse Lachs vom Kutter. Auf leeren Blättern Papier male ich die Pläne für die Zukunft und beschließe, mein Berufsleben anders anzugehen. Weniger Routine, mehr Leben, mehr Reisen einzuplanen. Ich will unterwegs sein, Abenteuer erleben, diese ungeplanten, unerwarteten Momente, die später in der Masse der Tage leuchten.  

Der Rest wird verblassen. Ganz sicher.

Adventszeit in Marrakesch, Amsterdam, Paris 

Im November beginnen wir die Arbeit an der ersten Ausgabe The Fernweh Collective. Wir nehmen Interviews auf, telefonieren über Zeitzonen hinweg nach Sydney, New York, London, LA, sprechen mit Reisenden, teilten persönliche Geschichten, tauchen in ihre Abenteuer ein. Wir bleiben nächtelang wach, lassen transkribieren, übersetzen und layouten. Der Zuspruch vom Kollektiv und die Zusammenarbeit für diese erste Ausgabe überwältigt uns, haut uns kurz um und hilft uns wieder auf die Beine. Die Energie, die im Sommer gefehlt hat, kommt in einer Welle zurück und trägt unsere Zweifel davon.

Dazwischen reisen wir nach Marrakesch, Amsterdam und Paris. In der Weihnachtszeit bin ich mit meinem Mann in der Sächsischen Schweiz. Einen Tag vor Silvester, um 9 Uhr früh stehe ich auf der Bastei - auf einem Felsen hinter der Absperrung. Ich halte ein Magazin-Dummy von The Fernweh Collective in den Händen, schaue auf das Cover und denke:

Wir machen es. Wir machen es wirklich.

Winter auf Sansibar

Unser Jahr beginnt bereits am 2. Januar, an einem Samstag. Serena und ich holen unseren ersten fünfstelligen Auftrag als Medienkonzepter. Als der Auftrag steht, zwingt mich Serena, eine Reise zu buchen. Ich müsse raus, sagt sie. Sie kennt mich schon ziemlich gut.

Auf Sansibar, wo ich den Januar verbringe, vergehen die Tage zwischen der Hängematte im Mangogarten, meiner Terrasse und dem Strand. Ich erlaube mir, nicht von Ort zu Ort zu reisen, sondern einfach nur an diesem Ort zu leben. Ich lerne wieder zuzuhören anstatt zu reden, wieder lautlos zu summen anstatt im Kopf Listen abzuhaken und neue aufzustellen, ich lerne in den Tag hinein zu leben anstatt alles zu kontrollieren. Die Sonne macht mein Herz weicher, der Wind trägt den Rest der Sorgen davon.

Auf Inseln bin ich ich. Das ist, wo ich hingehöre, wo mein Kopf schweigt. Hier bin ich einfach ein besserer Mensch.

Berlin. Oder: alles wird neu.

Und dann geht alles ganz schnell, wir arbeiten wie Besessene, schieben Nachtschichten, richten Shops ein, planen die Logistik, geben Apps in Auftrag, reden über Versand. Ich spüre die Angst auf meiner Haut, ein leiser Hauch und versuche sie zu ignorieren. Ich würde nichts lieber machen, als das, auch wenn jeder einzelne Schritt auf dem Weg uns ein wenig taumeln lässt. 

Als die erste Ausgabe aus dem Druck kommt, sitze ich den ganzen Abend ungläubig vor den aufgeschlagenen Seiten. Ich habe viele Bücher über Ziele und das Erreichen von Träumen gelesen. Aber keins dieser Bücher bereitet dich auf diesen Moment vor. Den Moment, in dem Du deinen Traum in den Händen hältst.

Es dauerte drei Tage bis mir bewusst wurde, dass das hier kein Dummy ist, sondern ein Magazin, etwas, worauf wir solange gewartet haben. Etwas, das wir erschaffen haben. Das Chaos des vergangenen Jahres hat sich gelohnt. Wir wissen nun, wohin es geht. Und wir sind bereit für dieses neue Abenteuer. Wir sind so bereit.

Chaos is part of the journey. Create your vision.  And start moving forward. 

Belka

THE FERNWEH COLLECTIVE Vol.1 | UP NORTH

 
 

Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

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