You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Maremma, Italien / Katja Scherle Festtagsfotografien

Maremma, Italien / Katja Scherle Festtagsfotografien

Es gibt ja so eine Zeit, da ist man zu alt für Urlaube mit den Eltern – es zieht einen ganz woanders hin, man möchte seine wertvolle Erholungszeit nicht nach fremden Schemen einteilen und überhaupt: uncool! Und dann, circa zehn Jahre nach dieser Zeit, gibt es eine Zeit, da ist man dann wieder alt genug für Urlaube mit den Eltern. Und in diesem Stadium sind mein Gatte und ich wohl jetzt angekommen.

Als meine Schwiegereltern uns zu zwei Wochen spätsommerlichem Italien einluden, sagten wir einfach zu. Und genossen es, wie ganz ganz früher, als Urlaube mit den Eltern sowieso Standard sind, nichts zu planen. Meine Schwiegermutter hatte sich für die Maremma entschieden, „weil ich da noch nie war“. Angepriesen wurde es uns als „Toskana“. Als wir aber schließlich die Toskana zusammen mit meinem Schwager, der das Auto in den Süden steuerte (ich sag ja: nix planen!), durch die septemberlichen Hügellandschaften passierten, mein Herz sich freute und wir dann aber irgendwann wieder aus den Hügeln draußen waren, wunderte ich mich dann schon.

Es ging nämlich immer noch weiter in den Süden: Spät abends kamen wir schließlich an unserem Ferienhaus an, die Grillen zirpten und wir sahen nichts mehr, außer kilometerweite Fläche. Wir waren in der Maremma. 

Die Maremma ist der südliche, touristisch weit weniger bekannte Teil der Toskana, schon auf dem Weg Richtung Rom. Weitaus weniger amerikanische Touristen und, dort wo wir waren, auch weitaus weniger grüne Hügel, sondern viel – Achtung, erst mal unspektakulär – Landwirtschaft. Wir fuhren aber nur eine Viertelstunde ans Meer (mit schön breitem Sandstrand davor) und nachdem ich lange nicht mehr dort war, freute ich mich wie blöde, als unser Navi im Auto anzeigte, wir seien nur noch 5m über NN. Ebenfalls nur 20 Minuten entfernt grub sich unser Auto aber wieder hinein in die sanften toskanischen Hügel der Reiseführer. Irgendwie hatten wir also den ganzen Urlaub über beides. 

Ich nahm bald sehr gerne die Routine meiner Schwiegerfamilie an: halbtags an den Strand, halbtags „irgendwas anschauen“. Am Strand stellte ich allen sehr bald mit meiner 6x6-Kamera nach und suchte nach Szenen, die quadratisch gut aussehen. Ich fand sie zum Beispiel in den unermüdlichen Drachensteig-Aktionen meiner Schwager, für die am Ende September leer gewordenen Strand freie Bahn herrschte. Mein Mann hatte unsere für die Flitterwochen gekauften beiden Luftmatratzen mitgenommen und wurde dafür von seiner Familie verspottet, man könne doch auch schwimmen ohne Hilfsmittel. Tatsächlich aber wurden sie bald zum Renner – weil es ja eben doch Spaß machte, die langsam herbstlich stürmischen Wellen damit zu reiten. Und weil sie auf Quadrat gut aussahen. ;) 

Unsere Fahrten, „etwas anzuschauen“ waren für mich immer davon bestimmt, aus dem Fenster die grafischen Landschaften des Landesinneren zu studieren. Und mir heimlich so ein bisschen zu wünschen, dann doch bei aller Entspanntheit mal selbst bestimmen zu können, wann ich einfach mal mitten auf dem Weg für ein Foto anhalten will. Dafür bekamen wir die schönsten Stätten zu sehen. Am meisten beeindruckt hat mich das Etrusker-Dörfchen Pitigliano (wovon es übrigens in der Maremma zahlreiche gibt). Nach einer kurvenreichen Landpartie erschien es plötzlich am anderen Ende einer Schlucht und leuchtete uns in der spätsommerlichen Sonne entgegen.  Wie es auf dem Grün sandgolden thronte, klein und irgendwie doch trotzig und trutzig, faszinierte es uns alle so, dass wir tatsächlich doch endlich einfach mal mitten auf dem Weg anhielten, um einfach nur zu gucken. Okay, ich hab auch Fotos gemacht – weil: Es sah auf Quadrat gut aus! 

Einen Tag lang setzten wir außerdem nach Giglio über, die Insel, die leider alle nur wegen des gekenterten Schiffs kennen, die aber eigentlich vor Schönheit nur so strotzt. Nach einem Essen, diesmal nur zu zweit unter „echten“ Italienern, die dort Mittagspause machten (u.a. vielen Soldaten, die das immer noch nicht geborgene Schiff überwachen), schleppten wir uns in der prallen Sonne über einen unverschämt steilen Hügel – auf der Suche nach dem Rest der Familie, der auf der anderen Seite einen traumhaften Stand ausgemacht haben wollte.

Als wir schon fast ermattet aufgegeben hätten, tat sich vor uns plötzlich bester Mittelmeerzauber auf. Felsen, knalltürkises Wasser, ein Büchtlein, zu dem, und das war in dem Moment am wichtigsten, der Weg endlich wieder nach unten führte. Dort am Strand war dann schließlich meine alte Kleinbildkamera mit dem ebenso alten günstigen Weitwinkel ein wenig überfordert von all der Sonne – und grade deswegen mag ich diese Bilder so. Auch die Kamera erzählt die Geschichte von diesem Überschwall an Licht und Farbe. 

Mitte, Ende unserer zweiten Woche holte uns dann der in Deutschland schon längst eingezogene Herbst auch im Süden ein. Am Strand empfahlen sich plötzlich Pullis, das Knallblau entfärbte sich langsam zu einem Hellgrau und an unserem letzten Tag war es schließlich nur noch meine toughe Schwiegermutter, die ein letztes Mal ins Wasser sprang – es muss hart gewesen sein, sah auf Quadrat aber gut aus! 

Als sich schließlich unsere Wege wieder trennten und mein Mann und ich nach zwei Wochen zum ersten Mal wieder wirklich alleine waren, war es kurz außergewöhlich merkwürdig, wieder selbst planen zu müssen. Wir fanden doch schnell wieder in unser Erwachsenenleben zurück, aber beim Blick auf meine Scans denke ich sehr gerne an meine Zeit als (altes Schwieger-)Kind zurück.


 
 

Fotografin Katja Scherle / Festtagsfotografien

Berlin, Deutschland

 Ich mag lieber Bacon als Cupcakes, lieber DocMartens als Ballerinas, lieber Pogo als Walzer. Und mache irgendwie doch ziemlich zarte Fotos. Mit meinem Gatten und zwei gepunkteten Katzen lebe ich in Berlin und arbeite als Hochzeitsfotografin - und auch immer noch als Doktorandin in französischer Literatur. Ich habe ein fast schon pathologisches Sammelproblem: analoge Kameras. Da ich sie aber viel häufiger als digitale für die Arbeit einsetze, ist das vollkommen ok…glaube ich.

Ihr könnt Katjas Fotografie in ihrem Blog verfolgen und ihre Fanpage hier besuchen. 


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