You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Myanmar | Christian Biemann

Myanmar | Christian Biemann

"Ich sehne mich nach dem Ausstieg aus dem Alltag. Wieder etwas Neues und Unbekanntes erfahren. Mit Händen und Füßen kommunizieren. Ich muss weg von hier!"

Das war der Grund weshalb ich Ende 2013 spontan nach Myanmar reiste. Auf Grund der knappen Zeit und sehr kurzen Reiseplanung reichten ein paar Erfahrungsberichte, Erzählungen und Bilder anderer Fotografen aus, um mich final für Myanmar zu entscheiden. Das ehemalige Burma liegt in Südostasien, die Nachbarländer sind Thailand, Laos, China, Indien und Bangladesch. Aufgrund der Geschichte und politischen Gegenwart ist Myanmar touristisch gesehen ein junges Land. Nur so kann ich es mir erklären, dass ich auf eine Gastfreundschaft und Neugierde gestoßen bin, die seinesgleichen sucht. 

Die ehemalige Hauptstadt Yangon, eine fünf-millionen-Einwohner-Stadt in der Nähe des Irawadi-Deltas im Süden des Landes, ist meine erste Etappe. Die Regierung hat hier alle Mopeds aus dem Stadtzentrum verbannt. Das hat zur Folge, dass sich hupende Blechlawinen durch das Stadtzentrum schieben. Rund um die Märkte und Pagoden drängen sich viele Leute. Lärm und alle möglichen angenehmen und unangenehmen Gerüche sind hier omnipräsent.
In den Menschenmengen falle ich als großgewachsener Europäer natürlich überall auf. Dazu bräuchte es meine große, schwarze Kamera gar nicht. Die Menschen gehen mit Neugier und einem Lächeln auf mich zu. Auf der Straße werde ich auch immer wieder von Jugendlichen angesprochen, die Smalltalk führen und ihr Englisch trainieren wollen. Mit der älteren Generation führe ich die Gespräche mehr mit meinen Händen und Füßen. Das Interesse für mein Gegenüber und ein paar Worte in der Landessprache brechen das Eis meistens recht schnell und ich darf immer wieder wunderbare Portraits fotografieren. 

Wie für alle meine Reisen habe ich mir auch diesmal wieder vorgenommen, mich vorwiegend abseits der touristisch ausgetretenen Pfade zu bewegen, um Myanmar und seine Bewohner möglichst authentisch kennenzulernen. An der großen Shwedagon-Pagode in Yangon kommt man allerdings nicht vorbei. Diese Pagode scheint das religiöse Zentrum des Landes zu sein. Viele Pilger nehmen teilweise eine weite Anreise auf sich um sie zu besuchen. Die Pagode liegt auf einer Anhöhe und überragt die ganze Stadt. Von Weitem sieht man die vergoldeten, prunkvollen Bauten, die sich zu einer großen Tempelanlage vereinen.

Ich verbringe hier mehrere Stunden und sehe dem Treiben zu. Die Menschen nutzen den Ort nicht nur für religiöse Aktivitäten, sondern zum Beispiel auch um eine kleine Auszeit vom Alltag zu nehmen und mit Familie und Freunden im Schatten der Pagode zu picknicken. Einen Besuch in der Shwedagon-Pagode kann ich ebenso empfehlen wie eine eine Fahrt mit dem Yangon-Circular-Train. Mit diesem Zug kommt man in die Außenbezirke. Man sieht dabei die Händler ihre Waren transportieren und kann dem regen Betrieb auf den Bahnsteigen der Stationen zusehen. Wie so oft auf dieser Reise war ich hier weit und breit der einzige Tourist und dementsprechend lenkte ich die neugierigen Blicke der Einheimischen auf mich. 

Als ich von Yangon mit dem Überlandbus nach Mandalay aufbreche, liegen schon einige interessante Begegnungen hinter mir. Nach einer langen Fahrt erreiche ich am frühen Morgen Mandalay. Da ich mein Zimmer im Guesthouse meiner Wahl so früh noch nicht beziehen kann, mache ich mich auf, das langsam erwachende Stadtzentrum zu Fuß zu erkunden. Ich begegne dabei Menschen, die Morgensport machen und andere, die ihre Geschäfte für einen erfolgreichen Handelstag vorbereiten. Schnell steigt dann die Sonne höher und mit ihr die Temperatur.

Mandalay liegt im Zentrum von Myanmar am Irawady-Fluss. Die Stadt ist für ihre vielen verschiedenen Handwerksbetriebe bekannt. Blattgold-Schmieden, Steinmetze, Holzschnitzer und viele mehr haben hier ihre Werkstätten. Mir fällt auf, dass ähnliche Betriebe fast alle im selben Straßenzug angesiedelt sind. Um die hart arbeitenden Männer bei der Herstellung von Blattgold zu beobachten, muss man vom Umschlagplatz für filigrane Schnitzereien nicht weit gehen. Ich habe mich hier gleich von Anfang an sehr wohl gefühlt – an jeder Ecke gab es für mich und meine Kamera Neues zu entdecken. 

An meiner nächsten Station bot mir die Tempellandschaft der historischen Königsstadt Bagan einen atemberaubenden Anblick. Noch nie habe ich eine so eindrucksvolle Kulisse gesehen. In seiner Hochblüte war Bagan eines der mächtigsten Königreiche und bildete das erste vereinigte Reich im heutigen Myanmar. Nach Aufstieg und Expansion musste sich der regierende König schlussendlich den fremden Mächten geschlagen geben und viele der Ziegelstein-Tempel, die unter enormen menschlichen Einsatz aufgebaut wurden, verfielen. Heute kann man aber immer noch circa zweitausend Tempelbauten bestaunen, welche hier auf einer Fläche von knapp vierzig quadratkilometer stehen.

Der Staub der Steppenlandschaft zaubert zu Sonnenauf- und Untergang ein magisches Licht und nicht nur die Fotografen kommen hier auf ihre Kosten.

Bagan ist das touristische Zentrum Myanmars, folglich sollte man mit Bedacht wählen, von wo aus auf diesem weitläufigen Gelände man das Schauspiel des magischen Lichts beobachten will. Der Großteil der Besucher tummelt sich bei den bekanntesten und größten Tempelanlagen. Bestenfalls stellt man hier schon so bald als möglich sein Stativ auf, um das Bild seiner Wahl ungestört komponieren zu können. Alternativ sucht man sich seinen Platz auf einem der vielen namenlosen und kaum besuchten Tempel. Diese sind zwar oft fest verschlossen, jedoch findet man die Tempelwächter meist in unmittelbarer Nähe. Sie sperren einem auf Nachfrage jeden Tempel bereitwillig auf. 

Kämpft man sich mit dem geliehenen Fahrrad oder Moped über die tiefen, sandigen Pisten dieser Steppengegend, wird man wieder mit einzigartigen Begegnungen belohnt. So bin ich abseits der belebten Hauptstraße nicht nur mit freundlichen Tempelwärtern, sondern auch mit zahlreichen anderen hier angesiedelten Menschen in Kontakt gekommen.

So, wie sich in Bagan alles um die Tempelanlagen dreht, ist das Leben der Burmesen an einem anderen Ort vom Wasser bestimmt. Der Inle-See ist bekannt für seine Einbeinruderer und die schwimmenden Dörfer und Gärten. Dies sollte eine der letzten Stationen meiner Reisen werden. Um dorthin zu kommen, wanderte ich von Kalaw zwei Tage lang durch das heiße und staubige Hinterland. Dabei konnte ich bei der Chili-Ernte zusehen, in einer kleinen Schule für eine kurze, unterhaltsame Pause sorgen und bei einem Homestay die bescheidenen Verhältnisse kennenlernen, in denen die Menschen im ländlichen Myanmar leben. 

Meine Reise nach Myanmar hat mir nicht nur optische Reize beschert, die ich mit meiner Kamera festzuhalten versucht habe, sondern speziell die Begegnungen mit der Bevölkerung haben mich beeindruckt und geerdet. Beeindruckend zu sehen war auch, mit welcher Freude, Gastfreundschaft und Zufriedenheit die Menschen in Myanmar ihren Tagesablauf bestreiten.

Zum Zeitpunkt meiner Reise, Ende 2013/Anfang 2014, waren die Kosten für Übernachtungen für asiatische Verhältnisse recht hoch. Für Low-Budget-Absteigen mit wenig Charme musste ich fünfundzwanzig Dollar pro Nacht einkalkulieren, die günstigen Zimmer waren meistens schon ausgebucht. Öffentliche Transportmittel habe ich entweder im Guesthouse oder (in größeren Städten) im Reisebüro organisiert. Überlandbusse sind meiner Meinung nach die beste Möglichkeit um von A nach B zu kommen. Sowohl normale als auch VIP- Busse sind einigermaßen komfortabel. Vom Reisen mit dem Zug wurde mir dagegen von Einheimischen abgeraten (ich weiß nicht warum). Buchungen waren auch noch am Vortag der Reisen problemlos möglich. Bezahlt habe ich mit der Landeswährung, jedoch brachte ich mir genug Bargeldreserven in USD zum Wechseln mit. Hier heißt es, wie fast überall, Acht geben auf einwandfreie, unbeschädigte Scheine, wenn die Dollar-Noten nur den kleinsten Riss haben, wurden sie für den Geldwechsel schon nicht mehr akzeptiert. Eine Kartenzahlung ist unüblich und nicht möglich. 

Während meiner Reise in der Zeit um den Jahreswechsel hatte ich keinen einzigen Regentag, Temperaturen von circa dreißig Grad und wolkenloser Himmel waren an der Tagesordnung. Der Tourismus in Myanmar wächst jährlich, die Infrastruktur wächst mit, wenn auch nur langsam. Deshalb sollte sich jeder, der Myanmar noch einigermaßen unberührt kennenlernen möchte, besser früher als später in dieses Land mit den einnehmenden Menschen aufmachen. 


 
 

CHRISTIAN BIEMANN

Linz, Österreich

Christian ist Landschafts- und Hochzeitsfotograf und  in der Nähe von Linz in Oberösterreich zuhause. Seine Leidenschaft zur Fotografie hat er beim Reisen entdeckt. Seitdem nimmt er Dinge, die ihn umgeben, anders wahr. Zwei essentielle Bestandteile für seine gelungene fotografische Arbeit sind sowohl sein Blick für Szenen, die sich mit der Kamera einfangen lassen, als auch eine gute Menschenkenntnis. Mit Begeisterung geht er mit seiner Kamera auf Menschen zu und fängt Portraits, flüchtige Situationen und Erlebnisse ein. Mit seinen Aufnahmen möchte er Geschichten erzählen und den Betrachter einladen etwas länger bei den Bildern zu verweilen. 

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