You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Ostafrika | Christian Frumolt

Ostafrika | Christian Frumolt

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Als ich im Januar nach Ruanda und Uganda aufgebrochen bin, hatte ich, mal abgesehen von den wundervollen Berggorillas keinen großen Plan. Ich wollte das alles auf mich zukommen lassen. Denn, wird bei der Vorbereitung zu viel geplant, sieht man nur das Wesentliche. Jedoch sind es gerade die unwesentlichen, kleinen, unwichtigen Dinge, welche nach solch einer Reise in Erinnerung bleiben. Genau dieses wurde mir in den Gesprächen mit den Menschen bewusst.

Hallo Ruanda!

So nun ist es endlich so weit. Seit Jahren wollte ich schon nach Afrika. Doch immer wieder war ich irgendwie nicht bereit dafür. Nun habe ich mich entschlossen, diese Reise anzutreten. Die ersten fünf Tage hier in Ruanda haben mich sehr beeindruckt. Es sind so viele Eindrücke, dass man diese oft erst abends oder am nächsten Tag verarbeitet.

Gebucht hatte ich ein Hostel in Kigali. Irgendwo in der Stadt. Wenn man noch nie in Afrika unterwegs war, hat man da schon ein komisches Gefühl, mitten in der Nacht durch eine komplett fremde Stadt mit irgendeinem Taxi unterwegs zu sein. Als der Fahrer dann noch in eine dunkle Nebenstraße abgebogen ist, wurde dieses Gefühl nicht gerade besser. Doch natürlich war diese Angst völlig unbegründet. An der Rezeption des Hostels empfing man mich mit einer unglaublichen Freundlichkeit. „Is it your first time in Rwanda?“ – „This is actually my first time in Africa ever!“

In der Hauptstadt Kigali, habe ich mir die verschiedene Gedenkstätten des Völkermords in Ruanda aus dem Jahr 1994 angeschaut. Das war sehr bestürzend. Auch heute noch denken viele Menschen, wenn sie auf Ruanda angesprochen werden, an den Genozid von 1994 bei welchem bis zu einer Million Menschen mit unglaublicher Grausamkeit ihr Leben verloren.

Doch Ruanda hat sich in den letzten 20 Jahren sehr gewandelt. Es zählt heute zu den sichersten Ländern in Afrika. Die Wirtschaft hat ein gesundes Wachstum. Und die Bevölkerung sieht sich heute als eine Nation. Im Akagera National Park hat mich Afrika dann entgültig in seinen Bann gezogen. Ich hab Zebras, Elefanten, Impalas, Büffel, Flusspferde und Paviane gesehen. So stellt sich wohl jedes Kind Afrika vor. Und genau so fühlte ich mich auch.

Unterwegs in Uganda

Nach drei Stunden Warten in der Hitze des Busbahnhofs Kigali kam der Bus. Auf nach Uganda! Zwei Stunden später erreichte der Bus die Grenze. Dort bemerkte der ruandische Grenzbeamte, dass mein „East Africa Visum“ nicht richtig vermerkt wurde bzw. das Visum komplett fehlte, da nur ein Stempel und kein Aufkleber im Pass vorhanden war. Während dieser netten Unterhaltung, welche sich sehr in die Länge zog, sah ich wie mein Bus weiterfuhr. Ohne mich. Inklusive Gepäck. Da wurde ich natürlich leicht nervös, doch der Beamte versuchte mir „freundlich“ zu erklären, dass der Bus nur hinüber auf die ugandische Seite fährt und da auf mich wartet, da man die Grenze durch den „neutralen Bereich“ von einigen 100m zu Fuß zu bewältigen hat. Na gut, wird schon stimmen.

Währenddessen kam ein andere Kollege hinzu und meinte, dass er meinen Pass gerade gecheckt hat und dass wohl der Grenzbeamtin bei meiner Einreise nach Ruanda ein Fehler unterlaufen ist, es jedoch möglich wäre, mir hier ein neues Visum auszustellen - was natürlich wieder Zeit in Anspruch nahm. Da ich ja sonst nichts zu tun hatte, durfte ich noch für Ruandische Studenten einen Fragebogen über Ruanda ausfüllen. Irgendwann kam dann der Assistent des Busfahrers, um nach mir zu schauen. Es hat sich wohl rumgesprochen, dass da ein Europäer Probleme an der Grenze hat. Von nun an hatte ich meinen persönlichen Betreuer. Der Mann wirkte mit seinem Leoparden-Schal jedoch eher, als sei er gerade auf dem Weg in die Disco. Mit meinem neuen Visum im Pass gingen wir dann circa zehn Minuten durch das „Niemandsland“, begleitet von tropischer Soundkulisse. Auf ugandischer Seite ging dann alles ganz schnell. Und zack war ich in Uganda. Und der Bus war noch da – auch wenn ich der letzte war, der einstieg. 

Nach weiteren 30 min hielt der Busfahrer in Kabale, einem ca. 40.000 Einwohner Städtchen. Ausgestiegen bin nur ich. Inmitten der Dunkelheit sah ich nur Staub im Scheinwerferlicht der Motorräder, welche sich im Kreis um mich herum formierten. Mit meinen zwei großen Rucksäcken fiel ich da sicherlich nicht auf. Im Augenwinkel erblickte ich ein Fassade mit der Aufschrift „Travellers Cafe“. Naja, bevor ich jetzt auf irgendein Motorrad steige, dachte ich mir, gehe ich jetzt rein und sag einfach mal „Hallo".

Als ich nach einem Hostel oder Hotel fragte, stellte sich gleich Simon vor. Er meinte, er könnte mit mir durch die Stadt laufen und mir ein paar Hotels zeigen. Ich dachte, der wird mich schon nicht überfallen, und falls doch... eine andere Möglichkeit hätte es nicht gegeben. Als er dann, ohne zu wissen, aus welchem Teil Deutschlands ich komme, vom VFB Stuttgart zu erzählen begann, dachte ich mir, der wird schon in Ordnung sein. Seine Story über Otto von Bismarck habe ich allerdings nicht verstanden. Ich checkte in einem günstigen aber doch ganz ordentlichen Hostel inkl. Museum ein. Als ich die Unterkunft bezahlen wollte, bemerkte der Mitarbeiter, dass ich umgerechnet 1 Euro zu viel bezahlt hab, und gab mir das Geld zurück. Das passiert auch nicht alle Tage.

Busfahrt durch Uganda

Ich erhielt einen Platz in der letzten Reihe. Jetzt weiß ich auch, warum die letzte Reihe noch frei war. Der Bus fuhr mit unglaublicher Geschwindigkeit über jede Unebenheit. Und davon gibt es auf den zum Teil nicht asphaltierten Ugandischen Straßen so einige. Ich möchte mal wissen, aus welchem Material die Achsen bestehen, damit diese nicht zerbrechen. Teilweise hat es alle Insassen im Bus mehrere Zentimeter aus dem Sitz gehoben. Das sah von der letzten Reihe aber auch irgendwie sehr witzig aus. Allerdings ist diese unfreiwillige Hüpferei schon sehr anstrengend und auch nicht ganz schmerzfrei. Aber das gehört in Afrika wohl dazu. In Kampala war ich in einem Gästehaus untergebracht. Im Gästehaus wohnten außerdem noch Praktikanten und Angestellte diverser NGO’s aus Kanada und Deutschland.

Murchison Falls National Park

Ich war schon an dem einen oder anderen Fleckchen auf unserer Erde, an dem es sehr heiß war. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch nie einer derartigen Hitze ausgesetzt war wie bei den Murchison Falls. Dieser Nationalpark ist der größte und älteste Ugandas. Auch wurde dieser unter anderem durch Hemingway bekannt, welcher hier mit seinem Flugzeug eine Bruchlandung hinlegen musste. Gebucht habe ich diese Tour über das Red Chilli Hideaway in Kampala. Unterwegs waren wir mit einem Allradfähigen Kleinbus. Die Gruppen bestanden jeweils zu 7 Personen. Außer mir waren noch fünf Amerikanerinnen und eine Australierin dabei. Übernachtet haben wir in komfortablen Zelten.

Man hat uns nur gewarnt, vorsichtig zu sein, wenn wir uns nachts durchs Gelände bewegen, da Flusspferde ebenfalls anwesend sind. Eines hat sogar einen Namen von den Mitarbeitern des Camps erhalten: “Gloria“. Ja genau, Gloria aus dem Film Madagaskar. Sehr einfallsreich. Ich hab sie nie getroffen. Was vielleicht auch gut so ist, denn Flusspferde gehören zu den gefährlichsten Tieren Afrikas. Sogar noch vor den Löwen.

Die „eigentliche“ Safari begann dann am zweiten Tag. Früh, sehr früh. Es war noch dunkel. Mit der ersten Fähre ging es dann über den Nil. Schon hier konnte man ein paar Flusspferde entdecken. Und schließlich, als die ersten Sonnenstrahlen sich ihren Weg über die Savannenlandschaft bahnten, waren sie da, die Elefanten, die Antilopen, die Giraffen und natürlich „Pumba, das Warzenschwein"! Das Licht war unglaublich. Eigentlich unglaublich kitschig, aber irgendwie passte es zu dieser Situation. Es ist einfach faszinierend, diese Tiere in Freiheit, bei Ihnen "zu Hause“ zu sehen. Am Abend unternahmen wir zudem noch eine dreistündige Nil-Bootsfahrt, wo wir nochmals unglaublich viele Tiere sichteten. Ja es sind diese Momente, die mit dem Wort „Glück“ gar nicht zu beschreiben sind. Kannte man diese Tiere bisher nur aus dem Fernehen oder aus dem Zoo, steht man plötzlich mittendrin.

Ja, Afrika beeindruckt mich. Jeden Tag. Jeden Tag neu. Jeden Tag anders. Hakuna Matata.

Berggorillas

In Afrika sammelte ich viele Eindrücke. Oft zu viele, um diese überhaupt zu realisieren oder zu verarbeiten. Das wohl am meisten prägende Erlebnis dieser Reise war wohl die Begegnung mit den Berggorillas. Früh morgens in Kinigi, am Fuße der Virunga Gebirgskette werde ich von meinem Fahrer abgeholt. Es geht zum Hauptquartier des Volcano National Parks. Hier werde ich einer Gruppe zugewiesen. Es gibt zur Zeit zwölf Gorillagruppen, welche von Menschen besucht werden dürfen. Pro Gruppe sind maximal acht Personen zugelassen. Der eigentliche Aufenthalt bei den Gorillas beträgt höchstens eine Stunde, um das Verhalten der uns, Menschen, so ähnlichen Tiere nicht zu verändern. Diese Art von Gorillas gibt es nur noch hier im Virunga Gebirge.

Ich habe Glück, denn mit mir sind nur drei weitere Touristen in meinem Team. Zusätzlich begleiten uns ein Ranger, drei Spurenleser, zwei bewaffnete Soldaten, sowie drei Träger. Mit dem Geländewagen geht es dann circa 45 Minuten durch fast unbefahrbare Straßen zum Ausgangspunkt der Wanderung. Von hier aus geht die Wanderung los. Wir befinden uns bereits auf einer Höhe von über 2.500 m. Es gibt nur eine Richtung: bergauf. Über Wiesen und Felder wandern wir schließlich hinein in den Dschungel. Von nun an dürfen wir nur noch flüstern. Wir müssen alle eng zusammenbleiben. Es werden die letzten Verhaltensregeln erklärt. Wir dürfen uns der Gorillas nicht näher als sieben Meter nähern. Später stellt sich heraus, dass es in dem dichten Gebüsch gar nicht immer möglich ist, diesen Abstand einzuhalten. Mit Macheten schlagen die Spurenleser uns den Weg frei. Zwei Stunden später ist es dann soweit. Die Nervosität liegt in der Luft. Wir haben sie gefunden.

Es raschelt hinter uns im Gestrüpp, der erste kommt heraus. Alles geht so schnell – wir sind mitten drin. Zum Teil nähern sie sich uns auf bis nur mehrere Zentimeter. Wir sind alle angespannt, haben Respekt, manchmal auch Angst, sind aber auch einfach nur fasziniert und überwältigt zugleich. Es ist so erstaunlich zu sehen, wie ähnlich uns diese Tiere sind. Sie scheinen völlig unbeeindruckt von uns zu sein. Die Stunde vergeht wie im Flug. Diesen friedlichen Wesen so nah in ihrer wilden Umgebung zu sehen, ist unbeschreiblich. Sie geben uns das Gefühl „Hey, ihr könnt gerne hier sein, aber „Der Boss, der sind wir!“ – Genau das zeigte uns ein Silberrücken, in dem er einen Strauch umriss, mit beiden Händen auf seine Brust schlug und auf uns zulief, jedoch dann noch abdrehte. Da waren wir bereits eine Stunde bei den Gorillas, nach welcher es auch schließlich zu Regnen begann. Das war der Zeitpunkt zu gehen. Beeindruckt, benommen und einfach nur sprachlos von dieser einzigartigen Begegnung ging es wieder zurück ins Tal.

Es war ein besonderer Tag.

Eines der beeindruckendsten Erlebnisse dieser Reise war der Besuch eines Gottesdienstes in Kigali am letzten Tag meiner Reise. Norman und ich wollten da „nur kurz“ reinschauen. Letztendlich saßen wir vier Stunden in der Kirche. Zwischendurch wurden wir noch persönlich begrüßt, was wir mit einem „Halleluja“ beantworten mussten.

Am Fuße der Virunga Berge besuchten wir ein Dorf, wo wir zum Essen eingeladen wurden. Hier zeigte man uns, wie traditionell Bier in Kinigi gebraut wird. Wer jetzt an ein Sudhaus denkt, irrt sich. Es ist erstaunlich zu sehen, wie wenig hier für mache Dinge benötigt wird.

In Kampala, begleitete ich Rafiq, einem Kanadier, welcher als Voluntär in Uganda arbeitete, zu einem Fußballtraining mit Einheimischen. Ja und dann waren da noch die unzähligen Busfahrten. Die abenteuerliche Übernachtung auf der verlassenen Insel. Die endlose, atemberaubende Tierwelt. Zu lernen, dass der Stand der Sonne eine gute Uhrzeit ist. Die vielen Menschen. Das bleibt im Gedächtnis.


 
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CHRISTIAN FRUMOLT

Baden-Württemberg, Deutschland

Cristian ist nicht nur Portrait-, Hochzeit-, Lifestyle -, und Reisefotograf, sondern auch ein kleiner Abenteurer. Während eines einjährigen Auslandaufenthalts entdeckte er seine Leidenschaft zum Reisen. Besonders die Berge und nördlichen Regionen haben es ihm in den letzten Jahren sehr angetan. Glücklicherweise hat er es von seiner Heimat aus nicht weit in die Berge und falls das Fernweh doch zu groß wird, werden neue ferne Länder erkundet.

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