You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Portugal & Spanien | Jessy Halermöller

Portugal & Spanien | Jessy Halermöller

„Grosse Schatten und kleine Persönlichkeiten legen sich auf den Asphalt nieder. Und manchmal klingen sogar deine Schritte wie das Klicken der Fußgängerampel. Fest gehaltene Erinnerungen stehen im ewigen Stau deines Kopfes – schau zurück, nur kurz und dann weiter nach links.
Welch Geheimnisse die Strassen wohl für sich behalten? Schlaf nicht in den Wachphasen, bleib hier. Vielleicht doch lieber kurz stehen bleiben und ausatmen.“

Als ich 2013 von meinem dreimonatigen Aufenthalt aus Neuseeland nach Hause kam, habe ich mein Herz an das Reisen in einem Camper verloren. Ich liebte es so lange an einem Ort zu bleiben, wie es sich für mich richtig anfühlte, ohne mich nach einer anderen Person richten zu müssen. Es gab Tage und Nächte, da fuhr ich acht, neun, zehn Stunden am Stück alleine durch großartige Landschaften und fand mich mehr als nur einmal seufzend und mit Tränen in den Augen am Strassenrand wieder, weil ich die Fahrbahn vor lauter Freude nicht mehr sehen konnte. Als ich zurückkam, waren meine ersten Worte an meine Familie: "Ich verkaufe mein altes Auto. Ich brauche einen VW Bus. Wirklich. Genau davon habe ich immer geträumt.“

Was mir fehlte? Jemand, der mich in diesem Vorhaben unterstützte (jeder weiss, wie teuer dieses "Hobby“ in Wirklichkeit ist) und meine Leidenschaft für Abenteuer teilte. Kurz darauf lernte ich einen wunderbaren Mann kennen, der wie ein Kind strahlte, als ich ihm von Neuseeland erzählte und genau wie ich kein Fan von Pauschalreisen ist – sondern selber lieber mit dem Rucksack durch Alaska oder Shanghai reist und über gefühlt jede Expedition ein Buch gelesen hat. Die Tage und Jahre vergingen und bislang war unser VW Bus immer nur ein Hirngespinst. Eine Idee. Ein kleiner Traum.

„Wie einfach war die Welt, als unsere Gedanken noch in kleine Rucksäcke passten?“

Irgendwann, eines Morgens, kam Alex von einer Nachtschicht als Notfallsanitäter nach Hause und erzählte mir von einem Einsatz bei der ein Familienvater mit Mitte vierzig urplötzlich verstorben ist. Ohne Vorerkrankungen, direkt im Schlafzimmer, neben seiner Frau. An diesem Morgen entschlossen wir uns einen Kredit aufzunehmen, um uns unseren Herzenswunsch nach Abenteuer und Freiheit zu erfüllen. Worauf soll man auch warten, wenn man nie weiss, wie lange man das Leben geniessen darf?

Seitdem versuchen wir so oft es geht unseren alten VW T4 aus seiner Garage zu holen und mit ihm auf Entdeckungsreise zu gehen. Zuletzt fanden wir uns auf einem dreiwöchigen Roadtrip durch die Schweiz, Frankreich, Spanien und Portugal wieder. Wenn man Stunden, Tage, Wochen auf den Strassen der einzelnen Länder verbringt, dann findet man sich oft gedankenverloren wieder, hängt diesen Gedanken nach und lässt sie dann direkt aus dem Fenster fliehen um selbst loszulassen. Es ist anstrengend, wenn man nur einen gewissen Zeitraum hat, in dem man unterwegs sein kann – aber umso reicher kommt man am Ende zurück, wenn man all diese kleinen und großen Orte entdeckt hat. Manchmal liegt das Schöne auch nur ein paar Strassen weiter, ohne dass man dafür Stunden über Stunden mit dem Flugzeug reisen muss.

Wenn man auf nur ein paar Quadratmeter für mehrere Wochen zusammen lebt, dann lernt man sich selbst und sein Gegenüber noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Man wird erfinderisch wenn das Auto streikt und keinen Meter mehr vorwärts fahren will, wenn man nur ein paar Groschen für Essen übrig hat und wenn man mal wieder keinen geeigneten Schlafplatz findet, sondern am Ende auf einem gruseligen Fast-Food-Restaurant Parkplatz schläft, weil einem sonst in den nächsten Minuten die Augen zufallen würden.

Oft werden wir gefragt, was denn am Reisen mit und in einem Bulli so anders ist? Was macht den Unterschied zu einer Buchung im Reisebüro mit Pauschalangeboten? Was auf jeden Fall ein großer Vorteil ist: die Freiheit. Man ist niemandem eine Rechenschaft schuldig, wenn man doch mal "vom Plan abweichen möchte“ und eine andere Reiseroute einschlägt. Wer weiß schon, wo diese einen hinführt? Man kann zum Sonnenuntergang einschlafen, direkt mit dem Blick aufs Meer und spürt den Wind der Natur viel stärker, weil man dadurch im Bus hin und her geschaukelt wird. Manchmal verbringt man missmutig stunden- oder gar tagelang im Bus, weil draussen das schlimmste Wetter herrscht und bereits alle Klamotten nass geworden sind, die dürftig aufgehängt im Inneren des Wagens trocknen müssen. Vielleicht schmerzen einem auch mal die Knie, weil man noch so viele Kilometer zu fahren hat und schon eine lange Strecke hinter einem liegt. 

Aber man kann man in der Natur frühstücken, weil man einfach nur die Seitentür aufschiebt, die Füße baumeln lässt und die wunderbare Luft des Waldes einatmet, während hinter einem auf der Flamme der Kaffee kocht. Man kann Sterne beobachten, wenn man im Bett liegt und durch die Heckscheibe nach oben blickt. Es fühlt sich an, als hätte man sein zuhause immer dabei – nur eben auf vier Rädern. So ein Bus ist nicht nur ein Auto. Es ist viel mehr. Dort hängen Fotos von vergangenen Reisetagen und in den Regalen rutschen die Bücher hin und her. Für uns ist genau das alles auch eine Art von Leben, die wir uns vorstellen könnten. Ein Zuhause in einem Camper. Nicht nur temporär.

Was wir an dieser dreiwöchigen Reise besonders liebten? Definitiv den Atlantik. Das wahnsinnig raue, stürmische Meer das einem in einigen Gegenden mit einer Gewalt entgegenschlägt, als würde es gegen die Küste anschreien wollen. Oder die Algarve mit ihren winzigen Buchten und Steilküsten, die kleine Felsformationen freigeben, wenn man nur genau hinsieht.

In Andalusien, genauer Cabo De Gata, verloren wir bei einem heftigen Sturm Alex Cap und einen Handfeger und fanden uns plötzlich in einer Rentnerreisegruppe wieder, die interessiert unseren Bulli begutachtete (und vermutlich am liebsten rein gekrabbelt wären). In Almeria entdeckten wir eine Stadt aus Planen, ein Ort aus über und über mit Plastik bedeckten Gewächshäusern. In Valdevaqueros begleitete uns ein Hundefreund. In Olhao verliebten wir uns in die kleinen, bunten Gassen. In Lagos schnorchelten wir bei kalten Wassertemperaturen beim Ponta da Piedade. In Sagres lauschten wir dem Ungeheuer, das tief unten in der Erde lebt. In Aljezur standen wir das Erste mal mehr oder weniger gut auf einem Surfbrett und versuchten kläglich mit den Einheimischen mitzuhalten. In Porto liebten wir die Umhänge der Studenten, die uns stark an die Uniformen in Hogwarts erinnerten. Alohomora! In Coimbra schlug unser Bibliophile-Herz höher, als wir die alte Universitätsbibliothek aufsuchten und den einzigartigen Geruch aufsogen.

„Lachend klappe ich die Landkarte zu, in der anderen Hand halte ich deine. Du umfasst das Lenkrad, den Blick auf die Strasse gerichtet. Wo führt all das hier hin? Ach, wer weiß das schon. Wer weiß das schon. Wir fahren immer weiter, dort wo der Wind uns hinträgt. Die Nacht bricht langsam über uns ein, doch die Lichter scheinen noch immer viel zu hell. Viele Kilometer liegen vor uns, doppelt so viele zurück. Ich wippe hin und her und serviere dir die Musik zum Abendbrot.“

WHAT WE ATE

Da wir unser Budget für die Reise so klein wie möglich halten wollten, haben wir die meiste Zeit selber gekocht. Das ging von Avocado-Halloumi-Burgern, Kürbisrisotto über Couscous Salat bis Chili sin carne. Trotzdem besuchten wir zwei kleine Restaurants auf unserem Trip durch das Land, die wir nur wärmstens empfehlen können: Das Mum's in der Rua Comandante Matoso in Sagres und das Didi Cafe, Travessa Cais Herculano 11 in Albufeira. Wer nach Restaurants sucht, die auch vegetarische und vegane Alternativen im Land des Fisches anbieten, ist hier genau richtig.

WHAT WE READ

Wir sind Bücherwürmer durch und durch. Egal wohin wir gehen, und sei es nur zum Stadtbäcker um die Ecke, wir haben beide immer mindestens ein Buch dabei (und sortieren unsere Bücher übrigens zuhause nach Farben). Natürlich schleppen wir daher auch auf Reisen immer etwas zu lesen mit, und ernten Kopfschütteln von unseren Freunden, die uns immer noch davon überzeugen wollen, ein Kindle zu kaufen.

The Devils River - Thomas Thiemeyer
Finstere Nacht - Greg F. Giften
Unsichtbare Hände - Graphic Novel über Almeria
Die letzten Tage von Rabbit Hayes - Anna McPartlin
Die Seiten der Welt - Kai Meyer
Wie Schnee so weiß - Luna-Chroniken Marissa Meyer

WHAT WE LISTENED TO

Gold – Kiiara
Running With The Wolves – Aurora
Can't Feel My Face – The Weeknd
Glory Box – Portishead
Looking Too Closely – Fink
Jailbirds – Cold War Kids
Elastic Heart – Sia
My Neck, My Back – Elle King
You're a Man Now, Boy – Raleigh Ritchie
WILD – Troye Sivan
Coffee – Sylvan Esso
The Night – HONNE
Roses – The Chainsmokers

OUR ADVICE

Schreibt ein Reisetagebuch. Egal, wie müde ihr am Ende des Tages seit: schreibt auf, was ihr gemacht habt. Wo ihr wart, was Euch im Kopf herumgespukt ist. Während wir diesen Bericht über unsere Reise verfassten, haben wir all die kleinen Geschichten nochmal in unserem Logbuch nachgelesen und sind unheimlich dankbar für diese Erinnerungen, die für immer festgehalten sind und uns gedanklich wieder dorthin zurück führen. Nicht nur Bilder helfen einem dabei, auch Worte sind grossartige Helfer.


 
 

Jessy Halermöller

Hamburg, Deutschland

Jessy, Hochzeitsfotografin von 'Hafenliebe' ist Bibliophile (sie verbringt jede freie Minute damit zu lesen, bevorzugt immer noch gedruckte Bücher & würde sich niemals einen E-Reader kaufen), Potterhead, Catlady (zwei Kater), feinfühlig, in der Natur zuhause (das Gefühl vom Meer, das unentwegt gegen die Klippen rauscht ist für sie beruhigend), verbringt viel Zeit in der Küche um vor allem Freunde zu bekochen, will Plattdeutsch sprechen lernen & hat wahnsinnige Flugangst (steigt aber trotzdem, aufgrund ihres Jobs und ihres Reisefiebers, immer wieder aufs Neue in ein Flugzeug).

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