You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

From Pretoria to Cape Town, Rovos Rail South Africa | Belka Berlin

From Pretoria to Cape Town, Rovos Rail South Africa | Belka Berlin

Die Dampflokomotive setzt sich in Bewegung. Leises Rattern und Zischen. Die Räder rollen langsam an. Große Sommerregentropfen landen mit einem lauten Platsch auf den Scheiben und Bahnsteig. Vor unserem Fenster grast ein grauer, riesiger Strauß, fünfzig Meter von der Station entfernt. Das hier ist wohl wirklich Afrika. 

Die Reise beginnt am Freitag Vormittag. Das alte und meisterhaft restaurierte Bahnhofsgebäude von Rovos Rail liegt nur ein Paar Minuten von Pretoria entfernt. Ein älterer, gut aussehender Mann begrüßt uns direkt nach der Ankunft. Er stürmt auf uns zu mit dem wärmsten Lächeln, das man einem Fremden schenken kann, und besteht darauf die schwer beladenen Taschen in die Lounge zu bringen. Er führt uns in die Lobby, wo man uns mit kühlem Rosé und Amuse-Gueule in Empfang nimmt. Erst da begreifen wir, dass wir die ersten Gäste sind. Der ältere engagierte Herr, der sich um unser Gepäck kümmert, ist Rohan Vos persönlich, der Gründer von Rovos Rail. 

In der Lounge spielt leise Musik. Der Duft von Kaffee und Lilien liegt in der Luft. Fröhliche Frauenstimmen und schnelle, beinahe tanzende Schritte der Kellnerinnen auf den gefliesten Boden sind zu vernehmen. Immer mehr Gäste stoßen dazu, geben ihre Koffer und die Gegenwart beim Concierge ab und bereiten sich vor auf die dreitägige Reise in die Vergangenheit. 

Es ist Tag Eins an Bord von Pride of Africa und alles ist unwirklich, glamourös und ein wenig nostalgisch. Wir reisen von Pretoria nach Kapstadt, mit einem Zwischenstop in den Goldenen Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Hier erinnert alles an den Orient Express, Europas legendären Luxuszug, der einst Paris mit Konstantinopel verband. Rum und Glanz, Champagner Parties, Jazz Musik und exquisite Dinner-Abende.

Ich mache mir nicht viel aus Luxus und schlafe gerne unter freiem Himmel auf dem Dach eines Vans (dazu im nächsten Teil mehr!). Aber als wir unsere Kabine betreten, bin ich sprachlos. Denn das hier ist anders. Hier treffen zwei meiner Leidenschaften aufeinander: Zeitreisen und Zugreisen. Als ich klein war, haben wir im Haus meiner Großmutter gewohnt. Auf der anderen Seite des Chausses, welches direkt zur Seidenstraße führte, fuhren im Stundentakt schwer beladene Züge. Das rhythmische Schlagen ihrer Räder verbinde ich für immer mit Zuhause. Für mich ist es die Melodie meiner Kindheit. Und nirgendwo kann ich besser schlafen als in einem schaukelnden Zug, der Ferne und Abenteuer verspricht und gleichzeitig Ruhe und Geborgenheit bietet.

Ich packe meine Kamera und meine Objektive - die wertvollsten Schmuckstücke, die ich auf Reisen dabei habe - aus, hänge die Abendkleider auf, lege den Kopfschmuck in die Garderobe und nehme eine heiße Dusche in unserem privaten Badezimmer. Draußen wird die Landschaft immer karger. Wir halten Kurs auf Kimberley im zentralen Südafrika, der heißesten Region des Landes. Der Tee in meiner Hand duftet nach Rooibos und Sanddorn. Durch die offenen Fenster strömt heiße Wüstenluft herein und die Sonne weicht der Abenddämmerung. Wir sind viel weiter weg als die zurückgelegten Meilen es vermuten lassen würden... 

Der nächste Morgen beginnt mit einem hell klingenden Läuten. Der Concierge unseres Wagens schreitet mit einem winzigen Glöckchen die Gänge entlang und macht diejenigen, die noch nicht vom Duft der frisch gebackenen Brötchen geweckt wurden, auf den Beginn des neuen Tages aufmerksam. Dem Frühstück folgen an beiden Tagen Ausflüge in die Umgebung: Am Samstag bestaunen wir die riesige ehemalige Diamanten-Mine in Kimberley - The Big Hole - und hören Geschichten aus den längst vergangenen Zeiten, als Zehntausende Menschen aus Übersee und eigenem Land in die Region strömten und in der bis dato kaum vorhandenen Stadt Diamanten- und Goldrausch ausbrach. Am darauffolgenden Morgen hält der Zug 5 km vor Matjes Fontein, einer winzigen Stadt, die einem Museum gleicht. Wir laufen die Strecke in die Stadt zu Fuß, vorbei an Kakteen-Landschaften und Windrädern, begleitet von der strahlenden Februar-Sonne. 

Mehr als die Ortschaften, die wir auf der Reise zu Gesicht bekommen, fasziniert mich aber die Natur. Wir sehen Flamingo-Schwärme in die Luft steigen und Herden von Schafen in den entlegensten Regionen grasen. Adler kreisen in der Luft auf der Suche nach Beute und die Savanne leuchtet in satten Rottönen beim Sonnenuntergang. Es sind Bilder, die man schon oft gesehen hat. Und doch sehen wir sie zum erstem Mal. Wirklich und greifbar. Ich lasse meine Kamera nicht aus den Händen und versuche im Vorbeifahren die Sekunden und Momente einzufangen.... um später zu begreifen, dass wir nicht geträumt haben, dass wir für einen Augenblick ein Teil davon waren. 

Als der Zug sich Kapstadt nähert, spüre ich Wehmut und Freude zugleich. Ich werde die Tage an Bord von Pride of Africa vermissen. Einzigartige Tage voll von Glanz und Leichtigkeit des Jazz Age, kulinarischer Raffinesse und gutem südafrikanischen Wein.. und mit der schönsten Kulisse, die man sich für eine Zeitreise wünschen kann.

Für mich ist es jedoch nicht der Luxus, der die Reise einzigartig gemacht hat. Es ist das Gefühl, dass man hier und jetzt mittendrin in der Geschichte ist, die man später seinen Enkeln erzählt und in leicht vergilbten Fotoalben aufbewahrt. Eine Geschichte, die zur Erinnerung wird und immer mit den Worten beginnt, "Weißt Du noch, als wir Südafrika mit einem Zug durchquerten..."

In Zusammenarbeit mit Rovos Rail und Lensavenue 

Mehr Informationen zu Südafrika: www.dein-suedafrika.de


Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

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California, USA / Maru Photography

California, USA / Maru Photography

Mexico / Isabel Sacher

Mexico / Isabel Sacher