You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Dominica: Wo sich Indiana Jones und Jack Sparrow auf einen Rum treffen würden

Dominica: Wo sich Indiana Jones und Jack Sparrow auf einen Rum treffen würden

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Die Ankunft

Oris sagt, wir werden es schaffen.

Vielleicht sehen wir nicht den Emerald Pool heute Nachmittag. Aber den Rest ganz bestimmt. Auf jeden Fall. 

Mein Flug aus Tobago hatte zwei Stunden Verspätung wegen eines tropischen Sturms über Antigua und Barbuda. Und Oris und ich haben einen straffen Plan für die kommende Woche. Er wird mich dieser Insel inmitten des grünen Dschungels erst vorstellen, dann mich ihrem Charme überlassen und schließlich zusehen, wie ich ihr Tag für Tag mehr verfalle.

Ein bisschen wegen der sattgrünen Palmen, die die gesamte Insel wie ein Decke umhüllen. Ein wenig wegen der dicken Nebelschwaden, die bereits beim Anflug auf Dominica die spitzen Hügel umkreisen. Vielleicht auch wegen der heißen Schwefelbäder und Geysire, die mich so sehr an Island erinnern...

Vor allem aber wegen der Menschen, die mir hier begegnen werden. 

Jungle Bay Family

Am Abend des ersten Tages, da haben wir bereits eine Strecke von 1,5 Stunden gen Süden zurückgelegt und das  Modeldorf Kalingo Barana Aute besucht, setzt mich Oris im Jungle Bay Resort an der Südostküste der Insel ab.

Ein traumhafter Ort, mit Bungalows an einer steilen Hügelwand, mit Blick auf den Atlantik und einer Hängematte auf jedem Balkon. Wenn man abends die Lichter ausmacht und die Holzfenster öffnet, hört man den rauen Gang der Wellen und die schrillen Laute des Dschungels. Es ist ein Ort aus einer anderen Zeit. Oder vielleicht auch gar kein wahr existierender Ort. Aber er ist da und ich bin glücklich. 

Anfangs, an der Rezeption, werde ich von einem fröhlichen Mädchen begrüßt, die mich in Empfang nimmt und mich mit Jungle Bay vertraut macht. Am Ende wünscht sie mir förmlich einen schönen Aufenthalt. Und fügt dann lächelnd hinzu: „If you have questions, don‘t be shy, sister. We‘re all family here!“

Ich schaue mir die vielen Hotel-Sterne an der Wand an und dann ihren fröhlichen, kumpelhaften Blick und weiß, hier bin ich genau richtig.

Mit Brother durch den Dschungel

Den Dschungel lernen wir mit Brother kennen. Er bringt uns auf einem drei-stündigen Hike in den Garten Eden. Brother ist drahtig, hat schnelle Augen und diese Schläue, die viele Leute nicht auf Anhieb erkennen, weil sie nicht mit Intelligenz gleichzusetzen ist.

Er erinnert mich sehr an einen Mitschüler, den ich mal hatte. Wir nannten ihn Fügi. Er galt gemeinhin als der Trottel vom Dorf und füllte diese Rolle bereitwillig und mit neckischem Stolz aus. Ich mochte Fügi sehr wegen seiner Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, sogar dann, wenn die Scherze zu sehr auf seine Kosten gingen und er es eigentlich besser wusste. Er hatte ein grundauf helles Wesen, das es ihm unmöglich machte, sich über jemanden oder etwas wirklich ärgern zu können, und nahm die Welt um sich herum oft wie einen Pott voll Gold war - dieselbe Welt, in der andere nichts als Staub und Dreck sahen. Und so ist auch Brother. 

Ein schlauer Kopf mit einem großen Herz und geübten Händen, die in wenigen Sekunden eine Grapefruit schälen können.  

Pumps Garden Eden

Während des Hikes überqueren wir Flüsse und Wasserfälle, klettern steile Abhänge hoch und passieren flache Wiesen, auf denen Kühe und Schafe weiden. Am Ende erreichen wir Pumps Garten Eden.

Der Name ist Programm. Das Haus steht einsam zwischen hohen grünen Hügeln, gesäumt von Palmen und umgeben von einem Garten, in dem es alles gibt, was als Frucht, Gemüse oder Kräuter auf dieser Insel einen Namen hat. Keine Straße führt hierher.

Wenn man Garten Eden besuchen will, muss man erst den Dschungel überwinden.

Pump ist ein Mann mit einer Rasta-Mütze, obwohl er Anfang 60 ist. Er kocht mit seinen Helfern Curry und Brotfrucht für uns und erzählt davon, wie er vor vielen Jahren dieses Niemandsland besetzt hatte. „Squat“, sagt er mit dem Hauch eines Lächelns, das schon im Moment der Entstehung verschwindet. Für zwölf Jahre. „Danach gehört das Land offiziell dir und du kannst es bei den Behörden eintragen.“ Ob er es getan hätte, wollen wir wissen. Er hebt die Schultern und führt die Arme auseinander. Ein bisschen wie ein Italiener. Es soll heißen - wozu? Schaut euch um:

Es ist mein Dschungel, mein Land, ich brauche keinen Stempel, um hierher zu gehören...

Wo sich Atlantik und Karibik umarmen

Den Süden der Insel erschließen wir uns an zwei Tagen. Zunächst landen wir in Soufriere an der Südspitze von Dominica. Ich mag das Bunte und gleichzeitig Verblichene sehr.

Eine ganze Stadt, die verblichen ist. Eine ganze Insel, auf der entlang der Straßen die schönsten Oldtimer stehen, die niemanden mehr fahren werden und nach denen keiner mehr fragt. Auch Boote und Kähne in den Vorgärten und am Straßenrand gehören zum Landschaftsbild Dominicas. Den meisten fehlt es an Farbe. Oder an Pflege. Oder an beidem. Und so haben sie diesen unverwechselbaren Hauch von Abenteuer um ihre Masten wehen. Fast wie ein Versprechen. 

Hoch über Soufriere stehe ich auf dem Scotts Head im Wind und kann die Stelle sehen, wo der Atlantik und die Karibik sich treffen und kurz umarmen. Mal stürmischer, mal zärtlicher. Unten fährt ein einsames Touristenboot.

Oben ist es komplett leer... Nur ich und die Karibik. 

Vulkanpools und das Blatt des Lebens

Oris bringt mich ins Innere der Insel - da, wo die höchsten Gipfel Dominicas in milchweißen Wolken schwimmen und wo man in natürlichen Schwefelwasserpools baden kann. Das heiße Wasser, das direkt aus dem Boden sprudelt und das riesige Becken von Tia‘s Sulphur Spa füllt, lässt mich kurz vergessen, wie sehr der Dschungel meinen Körper beansprucht hat.

Später treffen wir Roy auf seiner Harmony Garden Organic Herbal Farm. Ein Mann ohne Alter, mit jungendlicher Statur und Augen, die viel zu wach und unschuldig für sein Alter sind. Er ist um die sechzig, verrät mir Oris, aber ich schaffe bis zum Schluss nicht, es wirklich zu glauben.

Vielleicht sind es die Kräuter und Gräser, die hier wachsen und seit Jahrzehnten von seiner Familie kultiviert werden, die ihn konserviert haben. Er sagt, er gehe nie zum Arzt und reicht mir ein Blatt zum Andenken rüber.

„The Leaf Of Life. Du kannst es in ein Buch legen und es dort lassen... Das Blatt wird weiter wachsen.“

Oris, Duane, Jah und ich. 

Dass wir höher kommen, merke ich immer daran, dass der Kleinbus unter uns schnaubt. Oris sagt, es wäre hier manchmal einfacher zu fahren, wenn das Auto voll mit Touristen wäre, wie sonst. Aber es sind nur wir zwei. Und ich gewöhne mich schnell daran, meine Tage mit ihm zu verbringen.

Er holt mich morgens um neun ab und ist pünktlicher als ich es von Deutschland gewohnt bin. Er erzählt mir auf unseren langen Fahrten Geschichten über die Insel und seine Familie, versorgt mich mit Essen, das ich als Tourist nicht zu Gesicht bekommen hätte und stellt mir Duane Stephenson und Jah Cure vor - erst leise summend und dann, auch laut aus vollem Herzen mitsingend.

Ich mag diese langen Fahrten über die Insel und freue mich fast, wenn wir eine längere Strecke zurücklegen müssen. Dann strecke ich meinen Arm aus dem Fenster, lehne mich zurück und schnuppere die frische Brise vom Ozean oder die kühle Luft aus den Bergen.

Indian River und der Fluch der Karibik

Den Höhepunkt der Reise spart sich Dominica bis zum Schluss auf. Wir halten an einem unscheinbaren Ort im Norden der Insel, in der Nähe von Portsmouth an und werden zu unserem Boot gebracht.

Nur wenige Minuten später gleiten wir schon über das smaragdgrüne Wasser des Indian River, der vom Mangrovenwald gesäumt wird. Die Boote dürfen hier nur manuell betrieben werden und so hören wir nur den Dschungel und das leise Plantschen des Wassers, wenn der Bootsführer seine Paddel schwingt.

Oris sagt, hier wurde „Fluch der Karibik“ gedreht. Und ich ärgere mich ein bisschen, denn ich wünschte, niemand würde diesen Ort kennen und er für immer so bleiben:

Unberührt, roh, unwirklich. Ganz wie die Insel selbst. 

Auf Einladung von Discover Dominica

Dominica Tourist Office

Tel. 0711-26346624

 dominica@tropical-consult.de


Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

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Santorini, Griechenland / Andrea Rufener

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Nepal, Südasien / Aline Lange

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