You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Safari im Kruger Nationalpark | Belka Berlin

Safari im Kruger Nationalpark | Belka Berlin

"Schockierend schön", murmele ich immer wieder wie in Trance, als wir in Lion Sands ankommen. 

Die Lodge, in der wir die kommenden drei Tage verbringen werden, thront am Ufer eines Flusses, inmitten des Kruger Nationalparks. In der Lobby serviert uns Simon frischen, hausgemachten Zitronen-Eistee. Lindiwe kümmert sich um das Mittagessen - nur für uns, denn die Gäste vom Morgen waren abgereist und die nächste Gruppe Reisender ist erst für den Nachmittag angemeldet. 

Man bringt uns in unser Bungalow am Ende der Reihe, ein Eckhaus, wo wir ganz alleine sind. Nur wir und die Natur. Wir liegen auf unserer Terrasse, beobachten Büffel und Elefanten beim Baden, während das türkis-blaue Wasser im Pool glitzert und kleine Affen uns neugierig inspizieren. Andrej greift immer wieder zur Kamera, eigentlich fotografiert er selten, aber die Elefanten lassen niemanden kalt.

Wir sind uns sicher, DAS ist, was unsere Geschichte vom Kruger National Park sein wird. Doch dann treffen wir Allan und Omega und gehen mit ihnen auf eine dreitägige Suche. 

Und unsere Geschichte schreibt sich von alleine. 

Die Geschichte vom unsichtbaren Leoparden

Ich sitze hinter Allan im Wagen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Wind mich weniger streift, dass der Regen mich weniger durchnässt, weil er vor mir ist und alles auffängt. Seine große Statur ist wie ein Schutzschild an diesem kühlen Morgen. 

Wie jeden Tag sind wir seit 4 Uhr früh auf den Beinen. Nach einem kurzen Kaffee geht es noch vor dem Frühstück auf zum Game-Drive. Auf die Safari-Fahrt. Heute ist unsere letzte.

Meine Kamera liegt fest auf der Ablage des Jeeps, immer bereit zu schießen. Allan schaut zuerst zum Horizont, wo die Sonne vor einigen Minuten aufgegangen ist und dann zu Omega. Es ist still, wir liegen auf der Lauer. Mit ernster Stimme fragt er:

"Omega, what time is it?"

Omega dreht sich auf seinem vorne am Wagen befestigten Tracker-Sitz um. Seine Augen leuchten. Er zischt:

"It's LEOPARD TIME!" und dreht sich wieder um.

Wir lachen. Allan lacht auch, aber lautlos, kaum merklich. Ich sehe nur, wie seine Schultern sich auf und ab bewegen. Sein Gesicht sehe ich nicht.

Er muss fahren. Er muss führen. Er ist unser Ranger und der einzige, der uns durch diese Wildnis heil bringen kann. Und Omega, der Spurenleser, ist sein treuer Gefährte.

Ich habe das gute Gefühl, die beiden schon ziemlich gut zu kennen. Das ist unsere vierte gemeinsame Fahrt. In den letzten Tagen haben wir über fünfzehn Stunden auf engstem Raum im Jeep verbracht.

Fünfzehn Stunden.

Weil es notwendig war. Weil in der Wildnis kein Tier einem einfach so vor die Linse spaziert. Man muss warten, man muss spähen, man muss horchen und die kleinen Zeichen im Sand und den Ästen deuten. Man muss bereit sein, den Kopf einzuziehen, um nicht in riesige Spinnweben-Netze zu geraten, wenn der Wagen die Schotterpiste verlässt. Das alles nur, um die Ohrspitze eines in der Mittagshitze schlafenden und leise knurrenden Löwen zu sichten. Man muss bereit sein, auf ein Foto zu verzichten, weil es in Strömen regnet und die Ausrüstung von den vom Himmel runterprasselnden Wassermassen geschützt werden muss.

Und manchmal muss man einfach die Luft anhalten und nicht den Auslöser betätigen,

...weil das Bild des Augenblicks, das sich für immer ins Gedächtnis einbrennt, viel wertvoller ist als jede Aufnahme. 

Bis zu diesem letzten Morgen haben wir Kudus, Impalas, Nyalas, Affen, Zebras, Schildkröten, Wildschweine, Adler, eine Reihe von Tieren, deren Namen ich vergessen habe, Elefanten, Büffel, Giraffen, einen Nashorn und schließlich in der späten und düstersten Nacht eine Familie Löwen aufgespürt. Man könnte sagen, wir haben sie alle gesehen. Zumindest waren wir sehr erfolgreich. 

Aber Allan sieht es anders. In seinen Augen haben wir das schönste, mächtigste und klügste aller Tiere noch nicht gesehen...

Von den Big Five fehlt uns noch einer. Der Leopard. 

Man kann nicht behaupten, Allan und Omega hätten erst jetzt angefangen zu suchen. Eigentlich waren sie die ganzen drei vergangenen Tage auf der Suche nur nach ihm. Auf unseren Fahrten im Morgennebel und in der Abenddämmerung haben wir alle Baumspitzen abgesucht und an allen verdächtigen Sträuchern gehalten. Wir waren an allen Stellen, wo der Leopard in den letzten Tagen gesichtet wurde.

Als wir am ersten Abend unter dem Sternenhimmel, inmitten des Buschs Halt machen, um einen Abendcocktail zu trinken, sind wir alle von den Eindrücken überwältigt. Aber Allan scheint unbeeindruckt. Unter den Sternen der Milchstraße, im Schein des Southern Crux nippt er an seiner Cola und sagt immer wieder, dass wir morgen den Leoparden sehen werden. 

Doch erst am übernächsten Morgen begreife ich, wie wichtig ihm die Sache wirklich ist.

Der Wind hat zugenommen, der Regen vom Vorabend, der uns um eine Nacht im Tinyeliti Baumhaus gebracht hatte, hat noch nicht aufgehört und peitscht gegen unsere Hütte. Allan führt die Feldflasche mit dem Kaffee zum Mund, nimmt einen Schluck und räuspert sich.

"Ich bin im Busch aufgewachsen.", sagt er nach einer Weile. 

"Meine Mutter hat jeden Tag auf unserer Terrasse eine Schüssel mit Wasser stehen lassen. Und wir saßen am Fenster, noch ganz kleine Kinder, und beobachteten wie der Leopard kam.

Er kam immer wieder. Jahrelang. Es war die beste Zeit."

Aus diesen wenigen Sätzen kann man all seine Ehrfurcht und Liebe zu diesem Tier nachfühlen. Er muss uns einfach den Leoparden zeigen. Er muss. Das hört man aus seiner Stimme herausIch schlucke einen kleinen Kloß runter und versuche, mich auf unsere Unterhaltung über Musik und unsere gemeinsame Leidenschaft für The Lumineers zu konzentrieren, mit der er uns ablenken will.

Es ist kurz vor zwölf. Die Fahrt müsste jetzt zu Ende gehen. Allan fragt, ob wir nicht noch eine halbe Stunde hätten. Durch die Funksprüche mit Joe, einem jungen Ranger, der im zweiten Wagen oft nach Rat fragt und die Lage durchgibt, wissen wir, dass die Spuren immer mehr werden. Dass ein Leopardenweibchen mit einem Jungen ganz in der Nähe ist. Allans Liebe ist ansteckend. Omega ist ihr längst verfallen. Und nun sind auch wir im Leoparden-Fieber. Allan krallt sich immer wieder am Lenkrad fest und ruft sein Mantra:

"Come on, Leopard. Come on, Leopard. Come on, Leopard!"

Nach der fünften Wiederholung stimmen wir lautlos in seine Hymne an den Leopraden mit ein. Es ist wie eine Hypnose.

Kilometer um Kilometer kreist unser Wagen um das Gebiet, wo sich die letzten Spuren häuften. Immer wieder halten wir an und Omega richtet seinen Blick auf die Erde unter uns und gibt Allan eine kurze Handbewegung - eine Richtung, in die wir weiterfahren müssen. Der Mittag kommt immer näher und so unwahrscheinlich es ist, sogar wir beginnen, einzelne Bäume und Büsche wieder zuerkennen. Der Radius wird immer kleiner, wir drehen unsere Runden, weil wir genau wissen, dass der Leopard hier ist. 

An einer Abzweigung hebt Omega plötzlich die Hand und Allen drückt hart auf die Bremse. Der Wagen kommt zum Stehen. Er schaltet den Motor aus.

Omega flüstert: "Er ist irgendwo hier..."

...und wie auf Befehl ertönt ein lautes Knurren etwa zweihundert Meter Luftlinie von uns entfernt.

Omegas Gesicht verzerrt sich zum einem breiten Lachen. Allan wirft triumphierend die Faust in die Luft. Er hat uns hierher geführt. Wir sind am Ziel. Der Motor springt wieder an, wir fahren jetzt einfach in die Richtung, woher das Rufen kam. Blind und schnell.

Als wir dort ankommen, zeigt Omega auf einen frischen Pfotenabdruck im Sand. Direkt vor unserem Wagen.

Wir fahren die Stelle am Fluss ein Mal ab, dann ein zweites Mal. Keine Laute. Die Baumkronen sind leer. Allen öffnet die Tür und nimmt das Gewehr. Eine Sicherheitsmaßnahme. Omega steigt vom Wagen. Wir sollen im Wagen bleiben und keine hektischen Bewegungen machen, wenn ein Tier kommt.

Die beiden verschwinden im Busch. Die Wildnis ist verdächtig still. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, bis die beiden zurückkommen.... Nichts.

Wir fahren die Stelle ein drittes Mal ab. Dann kehren wir um. Es ist weit nach Mittag, wir sind seit über sechs Stunden unterwegs und hätten schon längst die Lodge Richtung Johannesburg verlassen müssen. Wir überqueren eine Brücke, die zu unserer Lodge führt. Allans Schultern hängen unter der Last der Enttäuschung.

Er sagt noch immer sein Mantra auf. Er glaubt, er hofft und wir hoffen mit ...

...bis ganz zum Schluss, als wir die Einfahrt zum Lion Sands erreichen. Erst da kommt ein leiser Seufzer vom Fahrersitz. 

Beim Abschied sagt Allan, dass Kruger uns wohl noch ein zweites Mal empfangen möchte. "Beim nächsten Mal. Garantiert!" Sein Blick verrät, wie gerne er uns seinen König der Tiere gezeigt hätte. Er umarmt mich zum Abschied.

Und ich sage, dass ich das beste Tier bereits getroffen habe: 

Den unsichtbaren Leoparden. 

In Zusammenarbeit mit More Hotels und Lensavenue.

Ein besonderer Dank an Allan Ronchini und seinen Partner Omega!

Mehr Informationen zu Südafrika: www.dein-suedafrika.de


Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

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