You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Malaga, Sevilla, Lisbon, Spain and Portugal / Ariane Kovac

Malaga, Sevilla, Lisbon, Spain and Portugal / Ariane Kovac

Letzten Sommer musste ich einfach mal raus. Raus aus meiner Stadt, die mir zu klein geworden war, raus aus Deutschland, mal wieder irgendwohin, wo das Leben für mich langsamer laufen würde, wo ich verschiedene Dinge hinter mir lassen, Neues erleben und endlich mal wieder Spanisch sprechen könnte. So ging es für mich per Flieger nach Málaga – allein und mit sehr leichtem Gepäck. Auf meine analoge Kamera und verschiedene Farb- und Schwarzweißfilme wollte ich trotzdem nicht verzichten. Die Anreise war voller Zweifel. Ich war noch nie zuvor allein verreist. Würde ich mich langweilen? Würde ich mit Menschen in Kontakt kommen? Hatte ich mich zu schnell und ohne nachzudenken in irgendetwas hineingestürzt, was ich eigentlich gar nicht wollte? Doch das alles ist vergessen mit der Ankunft. Mein Couchsurfing Host holt mich vom Flughafen ab und ich bin überglücklich darüber, wieder Spanisch sprechen zu können. Sonne, Hitze, Palmen - schon der Weg zu seiner Wohnung fühlt sich geradezu nach Urlaub an… Ein wenig später entscheide ich mich, allein in Richtung Stadt zu laufen. Spanische Schilder und Gespräche auf der Straße, mit meinen Flipflops rutsche ich über den ungewohnten Bürgersteigbelag. Lärm, Luft und Hitze vereinen sich zu dieser seltsamen flimmernden Stimmung, die Städte im Sommer überlagert. Jeder Blick in eine Seitenstraße eröffnet eine völlig neue Welt.

Mein zweites Ziel Sevilla empfängt mich mit genau der lockeren und entspannten Atmosphäre, die ich mir für meine Reise gewünscht hatte. Anders als Málaga, das modern, hektisch, groß, laut, stickig erschien, ist Sevilla eine alte und stolze Stadt. Beinahe jedes Gebäude sieht aus, als wäre es eigens dafür errichtet worden, zu gefallen, und nicht, um irgendeinen Zweck zu erfüllen. Überall kleine Details, bunte Fliesen, Orangenbäume. Einkaufsstraßen und Plätze werden immer wieder durchbrochen durch kleine Parks, Sitzbänke und Blumenbeete. Auf jeder Telefonzelle in Sevilla klebt eine Werbung mit dem Umriss einer Person. "Lehnen Sie sich hier an und genießen Sie die Magie des Ortes, der Sie umgibt.", ist dort zu lesen, und ich nehme mir das zu Herzen. An einem Abend bringt mich mein Couchsurfing Host Johnny zu einer Flamenco-Show in der Carboneria. Ich hatte mir vor der Abreise eine kleine Liste für jede Stadt geschrieben, und freue mich, so einen der Punkte abhaken zu können.

Flamenco hatte ich noch nie gesehen und war ziemlich gespannt. Wäre ich alleine losgezogen, ich wäre wohl in eine Touristenfalle getappt und hätte viel Geld gezahlt. So sitze ich in einem stickigen Raum mit einer kleinen Bühne und habe nur etwas für mein Bier ausgegeben. Neben spanischen Familien sitzen asiatische Touristen mit dicker Kameraausrüstung dabei. "Es ist nicht so, dass die Show schlecht wäre. Es ist nicht die beste, aber auch nicht die schlechteste", sagt Johnny. "Nur die Tänzerin ist nicht so hübsch und ein bisschen dick." Auf der Bühne sitzen irgendwann zwei Männer, der eine mit Gitarre, und eine Frau, die eines dieser wallenden Flamenco-Kleider und eine Blume im Haar trägt. Es geht los mit Geklatsche und Gestampfe im Rhythmus. Irgendwann kommt die Gitarre dazu, dann der Gesang. Den finde ich ein wenig gewöhnungsbedürftig, gefühlt nicht immer hundertprozentig in der richtigen Tonart, dafür sehr ehrlich und dramatisch. Als die Frau anfängt, zu tanzen, richten sich alle Blicke auf sie. Flamenco hat so viel Ausdruck und Kraft, und die Tänzerin eine enorme Präsenz. Es liegt so viel Leidenschaft darin, auf eine traurige Art und Weise. Ab und an erschrecke ich mich, weil sie so fest mit den Füßen auftritt, dass ich denke, die Bühne müsse einstürzen. Alles wirkt so echt, so wenig einstudiert. Hinterher habe ich Gänsehaut.

Der erste Eindruck vom Zentrum Lissabons? Laut, hässlich, dreckig, voll und unheimlich schnell und gestresst. Nach dem entspannten Sevilla, dieser Stadt, die mit Urlaubsstimmung und hitzebedingter Langsamkeit lockt, ein ziemlicher Schock. Ich laufe ein wenig herum, hatte eigentlich geplant, mir das eine oder andere anzusehen, doch zuerst scheitert es an endlosen Touristenschlangen, dann daran, dass Museen auch hier montags geschlossen sind. Ziemlich missmutig kämpfe ich mich schließlich nach oben, zum Castelo de São Jorge, und finde, dass die Stadt von oben gar nicht mehr so hässlich aussieht. Ich wandere ein wenig zwischen alten Steinen und Touristenlädchen herum und lasse zum Abstieg meine Karte im Rucksack. Was für ein Glück! Auf dem Weg nach unten komme ich in ein Stadtviertel, in dem sich Kunstgalerien neben kleine Lädchen (unter anderem einen Origami-Shop) reihen, und bin begeistert. Endlich bestätigen sich meine Hoffnungen, in Lissabon auf alternatives Leben und Kunst zu stoßen. Lissabon ist ziemlich heruntergekommen, viel mehr als die Städte, die ich in Spanien gesehen habe, an touristischen Plätzen versuchen einige Leute, sich durch den Verkauf von Eis oder Getränken über Wasser zu halten. In Portugal liegt der monatliche Mindestlohn bei 485 Euro, unter drei Euro die Stunde, das sind weniger als beispielsweise in Argentinien. Auch mit meinem Host spreche ich über die Krise. Ich erzähle ihm, dass meine Mitbewohnerin vor Kurzem zweieinhalb Wochen durch Portugal gereist ist und dass ich ziemlich beneidet wurde, als ich sagte, ich fahre nach Lissabon. Er freut sich sehr, und wir stimmen überein, dass Portugal den Tourismus gut nutzen kann. "Jetzt, da ihr Deutschen und Franzosen und so weiter nicht mehr nach Ägypten oder Libyen fahren könnt, hoffen wir, dass ihr dann zu uns kommt!", sagt er. Ich verspreche, irgendwann zurückzukommen, um mir die Algarve anzusehen. Und natürlich Sintra, einen kleinen und angeblich furchtbar hübschen Ort in der Nähe von Lissabon.

Mein einziger voller Tag in Porto ist zugleich der letzte Tag meiner Reise, und das sehe ich mit gemischten Gefühlen. Porto hat diesen wunderbaren Hafen, wie Lissabon fast nur Straßen mit einer extremen Neigung und wirklich schöne Parks. Ich freue mich unheimlich auf daheim, bin gestresst und erschöpft, vor allem, weil ich in der Wohnung meines Couchsurfing Hosts auf einer unbequemen Luftmatratze nächtige. Andererseits hatte ich eine ganz unglaubliche Zeit, und am liebsten würde ich mich noch einmal nach Sevilla beamen, die Stadt, in der mein Herz irgendwie hängen geblieben ist. Ich glaube, es wird mich immer wieder hier hinziehen, vor allem in den Süden Spaniens, in die Städte mit den mit gemusterten bunten Fliesen verzierten Innenhöfen, den Orangenbäumen und vor Hitze glühenden Plätzen... 


 
 

Fotografin Ariane Kovac

Jena, Deutschland

Mein Fernwehherz schlägt für Lateinamerika. Ich durfte schon ein Jahr in Lima, Peru, leben, bin dort mit Kleinbussen durch die Straßen gebraust, habe meine Seele mit einem Gürteltier reinigen lassen und wurde bei einem Dorffest mit Lebensmitteln beworfen. Bis ich dorthin zurückkomme, möchte ich jedoch so viel wie möglich von Europa sehen und auch meine eigene Heimat ein bisschen mehr erkunden.

Immer dabei: eine Kamera, ob digital oder analog.

 

Ihr könnt Arianes Fotografie auf ihrem Blog verfolgen und ihre Fanpage hier besuchen.

Bol and Split, Croatia / Theresa Povilonis

Bol and Split, Croatia / Theresa Povilonis

California, USA / Maru Photography

California, USA / Maru Photography