You only have one moment. This short moment is your life. Just a small glimpse called now.

But all we do is wait. For the moment when all thing will come together? Maybe they never will.

Maybe we should 

Stop Waiting. And Just Go.

Marrakesch, Marokko | Belka Berlin

Marrakesch, Marokko | Belka Berlin

Das erste, was wir von Marrakesch sehen, sind die Lichter der Wüste. Der Fahrer des Royal Palm Marrakech holt uns am Flughafen ab. Draußen ist es bereits dunkel und wir fahren vorbei an einer Kette aus illuminierten Bauten, Pforten und Gärten. Die Einfahrt ins Hotel gleicht einer langen Allee zum Palast und will nicht enden. Links und rechts säumen Villen mit hübschen Vorgärten die Straße.

Das Haus ruht bereits im Dämmerschlaf, als wir ankommen. Im Entrée leuchten gedimmte Kronleuchter und Laternen, ein Brunnen plätschert im offenen Wintergarten, es riecht nach Jasmin und Orient. Wir legen unsere Reisekleidung ab, gießen uns einen grünen Tee auf und essen das Gute Nacht Gebäck. Unsere Zwei-Zimmer-Suite ist riesig, warm und prachtvoll. Der purpurrote Samt der Einrichtung erinnert mich an arabische Märchen. Ich schlüpfe unter die Decke, bette meinen Kopf auf Tausend und ein Kissen und schlafe sofort ein.

Der erste Morgen bringt den Frühling ins Zimmer. Es ist Anfang November, draußen zwitschern die Vögel, die Temperatur beträgt um die 25 Grad. Das warme Wasser aus der Regendusche vertreibt den letzten Schlafrest, bevor wir im Pool-Restaurant frühstücken.

Der Grund, warum wir hier sind, ist ausnahmsweise keine Reise, sondern ein Urlaub. Und der Unterschied fällt mir wieder auf, als wir nach dem Frühstück die Sonnenliegen aussuchen. Sich einen Tag lang am Pool zu sonnen, gehört selten zu meinen Reisen dazu. Aber jetzt genießen wir es in vollen Zügen. Die Arbeit und die Laptops lassen wir zu Hause. Unter den Palmen des Royal Palm Marrakech herrscht für uns Arbeitsverbot. Kein Programm, keine To Do's, keine Verpflichtungen. Nur ein Paar Tage Urlaub für die Seele.

Am zweiten Morgen nehmen wir gleich nach dem Frühstück den Shuttle in die Stadt von Marrakesch. Ich habe keine Erwartungen. Ich habe viel Gutes, viel Schlechtes, viel Halbgares und viel Nichtssagendes über die Stadt gehört. Die meisten legen einen Besuch unbedingt ans Herz, bleiben aber einer Antwort schuldig, wenn man sie nach den Gründen fragt. 

Zuallererst muss ich Elias Canetti in meinem Kopf berichtigen. Es sind nicht die "Stimmen von Marrakesch". Es ist ein ganzes Konzert, ein Wirrwarr, so laut und durchdringlich, chaotisch, fordernd, exotisch. Für jemanden, der diesen Teil der Welt noch nicht besucht hat, mag es wie ein heilloses Durcheinander klingen und aussehen. Ich kenne die Bazare aus der Kindheit in Kasachstan, sie haben nichts einschüchterndes oder aufregendes für mich. 

Was mich vielmehr überrascht, ist die Struktur der Stadt. Ihre Existenzberechtigung scheint einzig und allein in der Unterhaltung des Marktes zu liegen. Um genauer zu sein: Der Markt ist die Stadt. Und umgekehrt. Schon unweit der Medina fangen die Stände an, die mit Gewürzen, Kannen, Teppichen, Stoffen, Orangen, Granatäpfeln, Fladenbrot, Süßigkeiten und vielem mehr bestückt sind. Und egal, wohin man dann abbiegt und in welche Richtung man geht, folgen die Stände und die Verkäufer einem überall hin. In jeder Ecke wird gehandelt, gefeilscht, verkauft, eingekauft, eingepackt und angeguckt. Was ich in den Straßen von Marrakesch vermisse, ist der Raum, den Orient zu erkunden, ihn zu genießen, etwas nicht Käufliches zu bewundern. Und auch die Ruhe, es zu tun.

Die Ruhe finden wir über den Dächern der Stadt. Fast in jedem Haus gibt es eine Terrasse, auf der Tee und Essen serviert werden. Wie kleine Oasen thronen diese Terrassen über der Stadt. Wir gehen immer wieder hoch, lassen uns den süßen Tee bringen und reden über dieses seltsame Jahr, das so schnell vorbeiging. 

Zurück im Hotel bin ich glücklich, der Hektik der Stadt entflohen zu sein. Auf dem Tablett im Wohnzimmer wartet frisches Obst und Tee auf uns. Wir gehen damit auf die Terrasse. Der Himmel über dem Atlasgebirge färbt sich in ein immer deutlicheres Rot. Das nasse Gras unter unseren Füßen riecht frisch gemäht, als wir zum Pool gehen. Wir sind alleine, keine Seele am Pool um diese Zeit der Dämmerung.

Das Wasser ist warm und bringt die am Tage vermisste Erholung zurück. Ich streife die Stadt von mir ab. Vielleicht tue ich ihr Unrecht, vielleicht habe ich mich nicht genug auf sie eingelassen. Aber hier in diesem Garten Eden ist es mir kurz und ausnahmsweise nicht wichtig. Ich weiß, dass es eine andere Reise sein wird, die mir das Geheimnis Marokkos verraten wird. Aber diese Reise jetzt bringt mir etwas zurück, was ich mir schon lange nicht mehr zugestanden habe: einfach nur ein Urlauber zu sein und den Müßiggang zu genießen.  

In Kooperation mit Beachcomber Hotels.


Belka Berlin 

Herausgeberin von The Fernweh Collective

Mit 5 Jahren wurde Belka als blinder Passagier an Bord einer sowjetischen Il-86 geschleust und leidet seitdem an Fernweh. In der Zwischenzeit hat sie die Welt bereist und die Aussicht auf eine Jura-Karriere gegen ein Leben mit ihrer Kamera "on the road" eingetauscht. In ihrer Freizeit träumt sie davon, mit einer Umweltaktivisten-Truppe in die Arktis durchzubrennen. Oder friedlich in einer einsamen Hütte auf Sansibar zu leben.  Je nach Tageslaune.

Facebook | Instagram 

 


Pazifischer Nordwesten, USA | Jasmin Marek

Pazifischer Nordwesten, USA | Jasmin Marek

Sansibar, Tansania | Natelee Cocks

Sansibar, Tansania | Natelee Cocks